Jun 27: Squirrel Girl – Identifikationsfigur mit Intelligenz und Puschelschwanz
Das „Marvel“-Universum ist voll von den verschiedensten Superhelden. Neben den klassischen Weltenrettern und Gerechtigkeitskämpfern findet sich dort auch Platz für eher ungewöhnliche ProtagonistInnen. Beispielsweise Doreen Green als Squirrel Girl: „Sie vermöbelt sie (Anm.: Verbrecher) so lange, bis sie aufhören, Verbrechen zu begehen“ (Original-Zitat aus dem Buch). Nach einem Jahrzehnt in der Versenkung, immerhin war der erste Auftritt schon 1992 mit „Marvel Super-Heroes vol. 2 #8“, bekam das gleichsam taffe wie liebenswerte Eichhörnchen-Mädel endlich eine eigene Serie. Und die taugt was!
Der vorliegende Sammelband fasst alle 8 Ausgaben der 2015 veröffentlichten US-Reihe „The Unbeatable Squirrel Girl“ zusammen. Thematisch ist die Handlung dabei irgendwo zwischen klassischer Superhelden-Geschichte (Squirrel Girl vermöbelt berühmte „Marvel“-Bösewichte), emanzipiertem Entwicklungsroman (Doreen verlässt das Avangers-Hauptquartier, beginnt auf eigenen Beinen zu stehen und sich charakterlich weiterzuentwickeln) und mit Insider-Witzen gespickter Parodie angelegt. Die eigentliche Handlung ist dabei recht simpel: Doreen (Link) schreibt sich an der Universität für ein Informatik-Studium ein und findet neue Freunde. Glücklicherweise sind einige davon selber Superhelden, und deren Hilfe wird auch dringend gebraucht gegen eine illustre Schar berühmter Bösewichte: Galactus versucht die Erde zu vernichten, ein von Loki entfesseltes mystisches Lügen-Eichhörnchen ebenso, Deadpool haut blöde Kommentare raus und auch Iron Mans Widersacher Whiplash fordert zum Zweikampf. Dabei besiegt Squirrel Girl ihre Gegner zumeist nicht mit Muskelkraft oder Superkräften, sondern mittels Empathie und Argumentation.

Aber das ist nicht der einzige Unterschied zu „klassischen“ Superheldinnen. Auch ihr Aussehen ist eher untypisch: Mit einer im besten Sinne „normalen“ Figur ohne Topmodel-Maße und mit einem nicht-sexualisiertem Outfit hebt sie sich deutlich von den allermeisten ihrer Mitstreiterinnen ab. Auch wird sie mit ihrer Unsicherheit im Umgang mit Emotionen und ihrer charakterlichen Weiterentwicklung durchaus glaubwürdig und mehrdimensional dargestellt. Dadurch taugt sie meiner Meinung nach besonders gut als emanzipierte Identifikationsfigur und Einstiegs-Comicheldin für junge LeserInnen. Wobei Squirrel Girl nicht die einzige starke weibliche Persönlichkeit des Sammelbandes ist. Sowohl ihre Freundin Nancy als auch die weibliche Thor, welche einen wichtigen Gastauftritt absolviert, heben sich deutlich ab vom üblichen „Jungfrau in Nöten“- bzw. „Sexy Kampfweibchen“-Rollenbild.

Womit ich elegant zum Thema Gastauftritte weitergeleitet habe


Der sehr comichafte, dynamische und farbenfrohe Zeichenstil wird die Leserschaft wegen seiner Detailarmut sicher spalten. Ich fand ihn angemessen, hätte mir aber zugegebenermaßen eher den detaillierteren Stil der ausgesprochen sehenswerten, am Ende des Buches beigefügten, Alternativ-Cover gewünscht. Aber das ist ja bekanntermaßen Geschmackssache

Fazit: "Squirrel Girl" (Link) wird sowohl grafisch als auch inhaltlich nicht jedem Leser gefallen. Ich persönlich finde jedoch sowohl die Protagonistin an sich als auch die humorvolle Geschichte wirklich gelungen. Eine klare Leseempfehlung, gerade auch für Comic-EinsteigerInnen!