Wer sich hier auf meinen kleinen Blog verirrt, wird „Das Schwarze Auge“ mit Sicherheit kennen. Ist es doch das Rollenspiel im deutschen Raum. Nichts ist hierzulande bekannter, verbreiteter und beliebter als die nunmehr seit 30 Jahren währenden Abenteuer auf dem Kontinent Aventurien. Nachdem ich das also weiß und mir viele meiner Freunde von diesem Spielsystem (dessen 5. Edition übrigens gerade vor Vollendigung der Beta-Phase ist – aber auch dass weiß wohl jeder der sich hierher verirrt...) meistens begeistert, manchmal auch ermattet und selten resigniert berichtet hatten, ist es eigentlich eine Schande dass ich es erst jetzt ausprobiere… Ich war grad in einem kurzen Heimaturlaub in Halle/Saale und wie es der Zufall will, fand genau an diesem Samstag ein DAS 4.1 One-Shot statt. Offen für Anfänger und mit geplanten 4 Stunden Spiellänge auch genau richtig, um den für mich neuen Regeln und der Story konzentriert folgen zu können, sagte ich erwartungsvoll zu. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht :-) Stattgefunden hat der One-Shot in den Räumen des Hallenser Vereins „Würfelpech e.v.“. Ich wurde sogleich freundlich begrüßt und fand mich in einer insgesamt 6-köpfigen Runde wieder: Die Gruppe aus einem halbelfischen Streuner, einer Diebin, einem Magier sowie einem magiebegabten Scharlatan/Trickbetrüger komplettierte ich mit einem klassischen namens Ritter "Fridolin von der Wimmelburg". Geleitet wurde die Gruppe von Nico, der mir gut die Regeln erklärte und auch die benötigten Würfel (3 x W20, 2 x W6) und Spielmaterialen zur Verfügung stellte. Und dann ging es auch schon los… Unsere Abenteuergruppe befand sich in der frühherbstlichen Nordmark auf der Reise ins nächste Abenteuer. Auf einer Lichtung machten wir kurz Rast, entdeckten eine verwachsene dem Todesgott Boron gewidmete Säule/Grabstein und jagten ein Kaninchen. Nicht wirklich spektakulär, aber so brachte uns der Spielleiter Nico das Regelsystem mit seinem eigentümlichen Würfelproben (jeweils drei W20-Würfe welche einen Zielwert unterwürfeln müssen, wobei Talente überwürfelte Proben ausgleichen können) im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch und letztlich erfolgreich bei. Frisch gestärkt zogen wir dann weiter, als eine noch entfernte Staubwolke unsere Aufmerksamkeit erregte. Die kam rasch näher, und während meine Mit-Abenteurer mehr oder minder erfolgreich einen Hinterhalt legten, stellte sich mein tugendhafter Ritter Fridolin der Gefahr offen entgegen. Glücklicherweise wurde die Staubwolke dann auch nicht von einer ganzen Legion kriegswütiger Räuber/Orks/Piraten aufgewirbelt, sondern nur von einem kleinen Tross fliehender Dorfbewohner. Denn im schönen Örtchen „Mühlingen“ sollte es angeblich spuken: Der Müller fehlte, dafür sah es in der Mühle aus wie in einem Schlachthaus. Der Schmied und die örtliche Geweihte, welche den Tatort untersuchen wollten, waren dann auch wie vom Erdboden verschwunden und zu allem Unglück spukte noch ein Dämon umher – Das ruft doch nach einer heroischen Tat unserer Heldengruppe! OK zugegeben, wir haben noch ein wenig über den Lohn verhandelt (die Hälfte unserer Gruppe hatte eher halbseidene Berufe, was will man da erwarten ;) ) aber letztendlich rafften wir uns dann doch auf den Fall zu lösen. Ein passender Verdächtiger namens „Ziganto“ (bei einem echten DSA’ler werden da die Ohren klingeln, mir war der gute Mann aber gänzlich unbekannt) wurde von den Flüchtlingen auch gleich präsentiert, war er doch der einzige der nicht geflohen war. Und er konnte Blumen aus Steinen wachsen lassen… Sehr verdächtig! Mühlingen entpuppte sich dann als ein kleines Dörfchen, malerisch an einem Bach gelegen. Es gab 6 Häuser, eine Schmiede, einen Tempel und diese gefährliche Mühle. Letztere untersuchte unsere Heldengruppe dann auch gleich zu Beginn. Schön schaurig war’s, mit Blut überall und auch allerlei magischen Zeichen. Unser Held vom Fach, der Magier, erkannte aber dass diese Zeichen eher sinnbefreit und lieblos hingezeichnet worden waren. Somit konnte mit ihnen gar kein Dämon beschworen worden sein. Solche Zeichen fanden sich dann auch an der Tür der verlassenen Schmiede. Übrigens waren alle Gebäude verlassen, außer eben jenes des von den Dorfbewohnern beschuldigten Ziganto. Also war er das nächste Ziel unserer Ermittlungen… Der hatte sich in seinem Haus verbarrikadiert, sodass ich nach einigen erfolglosen Überredungsversuchen einfach mal übermutig das Haus stürmte (erfolgreiche Kraftprobe, dann aber voll direkt vor seine gespannte Armbrust aufs Maul gefallen) und meine Mithelden versuchten durch die Fenster zu gelangen. Geistesgegenwärtig schoss er seinen Armbrustbolzen dann unserem Scharlatan-Helden in den Kopf was diesen erstmal mit kritischem Schaden komplett ausknockte – Da hilft auch keine Magiebegabung mehr ;-) Es folgte eine ziemliche Rangelei, in der uns der alte Mann ordentlich in Schach hielt (inklusive Selbstverletzung des Elfen) bis ich ihn von hinten niederrang und er nach gutem Zureden aufgab. Dann konnten wir ihn endlich befrage, wobei er aber eher wenige Antworten gab. Immerhin konnten wir herausfinden, dass er mal ein richtig ordentlicher Abenteurer war den nix aus der Ruhe bringen kann (daher auch nicht so ein wenig Hokuspokus wie angebliche Dämonen) und dass die magischen Steine einfach nur Kartoffeln sind (eine Runde Facepalm). Also bei Ziganto kamen wir auch nicht weiter, gingen raus zur Tür in die aventurische Nacht und da flog er: Der Dämon! Naja, eher ein grünleuchtendes Gespenst. Das kam mit Heulen und Zähneklappern auf uns zu! Geistesgegenwärtig und nach bestandener Mutprobe warf ich das Erstbeste, was ich grad zur Hand hatte: Meinen Dolch! Der war zwar nicht als Wurfdolch gedacht und traf daher auch nicht mit der scharfen Klinge, aber 3 kritische Erfolge hintereinander (also dreimal die Zahl 1 geworfen) reichten aus um den Geist mit Schmerzenslauten in sich zusammenfallen zu lassen. Das leuchtende Tuch fiel zu Boden und der Magier registrierte einen raschen Schatten, der in den Wald floh. Das nun leblos auf dem Boden liegende Tuch wurde sogleich untersucht und folgende Rückschlüsse gezogen: Das Tuch hatte gar nix dämonisches an sich, sondern leuchtete dank einer dicken Schicht aus zermahlenem Phosphorpilzpulver. Der Geist war also eine vermutlich unsichtbar gezauberte Person (solche Zauber gibt es nämlich in DSA!) mit einem Leuchttuch über dem Kopf! Um diese Erkenntnis reicher legten wir uns dann bis zum nächsten Tag schlafen. Frisch und munter ging es am nächsten Tag weiter: Wir untersuchten nochmal den Ort des Geschehens und entdeckten Fußspuren, welche wir dank erfolgreicher Proben bis zu einer nahen Höhle zurückverfolgen konnten. Mutig hinein geschlichen, ging es für die Hälfte der Gruppe nach einer erfolglosen Mutprobe gleich im Rückwärtsgang wieder hinaus – eine Ziege mit aufgeklebten Dämonenhörnern hatte uns mit ihrem Schatten einen ordentlichen Schrecken eingejagt :-D Im nächsten Raum der Höhle entdeckten wir dann zwei schlafende Gestalten (einen Zauberer und den Müller), die drei gefesselte Gefangene (den Schmied, die Geweihte und eine Novizin) bewachten. Unsere Diebin schlich vor und versuchte die Fesseln zu lösen, wurde aber vom erwachenden Zauberer entdeckt und mit einem Feuerball niedergebrannt. Zeit für den heldenhaften Ritter Fridolin, mit gezücktem Zweihänder vorzustürzen und zusammen mit dem Rest der Gruppe alles kurz und klein zu schlagen! Letztendlich wurden die Gefangenen also befreit und beim durchsuchen der gefallenen Bösewichter entdeckten wir dann in den Aufzeichnungen den Grund für den ganzen Spuk: Gold! Das hatte nämlich der Müller gefunden und zusammen mit dem Zauberer sollten erst alle Dorfbewohner vertrieben werden, um die Ressourcen dann auszubeuten und Andere damit übers Ohr zu hauen. Gewiefter Plan, wäre nicht unsere tapferen Recken gewesen! Insgesamt haben wir mit unserem pünktlich endenden Abenteuer dann 10 Dukaten pro Person und 75 Abenteuerpunkte gewonnen. Außerdem bekam mein Charakter eine „Spezielle Erfahrung“ für Wurfdolche. Und ich persönlich habe gelernt, wie „Das Schwarze Auge“ funktioniert und hatte dabei auch viel Spaß. Ob ich jetzt tatsächlich noch ein neues System anfange, wo ich doch sowieso weniger auf Fantasy stehe, sei mal dahin gestellt – Ich glaube jetzt einen Eindruck davon zu haben, warum so viele deutsche Spieler dieses System lieben. Wie ich heute bei meiner Recherche für diesen Artikel herausgefunden habe, hieß das Abenteuer übrigens „Geisterstunden (Link)“ aus dem Buch „Rückkehr zum Schwarzen Keiler“. Pflichtbewusst möchte ich noch hinweisen, dass der „Würfelpech e.v.“ Ende Oktober in seinen Räumen eine dreitägige Con anbietet, auch Nico wird wieder einige Spiele leiten. Geht ruhig alle hin, das sind absolut coole Leute da und die Location ist auch top! (Link)
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