Kaum 24 Stunden sind vergangen, seitdem ich den Erotikcomic „Die süßeste aller Früchte #1“ (Link) rezensiert habe. Und schon haben mich gleich mehrere Fans darauf angesprochen, denn dass ich mal einen Band aus dem „Splitternackt“-Imprint des „Splitter Verlags“ (zumindest für meine Verhältnisse) lobend bespreche, das kommt auch nur ein- oder zweimal in einem Jahr vor. Also waren die Erwartungen jetzt natürlich besonders hoch, denn diesen Sommer hat der Bielefelder Verlag einen ganzen Haufen an Comics des für seine Erotikcomics bekannten Italieners Milo Manara publiziert – Allein auf meinem Rezensionsstapel für diesen Monat liegen drei Bände aus seiner Feder. Beginnen wir also mit „Der Duft des Unsichtbaren“. Im Original erschienen die beiden Kapitel bzw. Bände in den Jahren 1986 und 1995, für uns gibt es den „Splitternackt“-Band mit beiden Kapiteln, Bonusmaterial und Kunstdruck auf insgesamt 128 Seiten. Die Hälfte dieses Comics ist also so alt wie ich – Na, ob die Geschichte auch so gut gealtert ist wie ich?
 

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Die Tänzerin Honey steht, wie generell das gesamte Ballettensemble, unter der Fuchtel der eingebildeten Primaballerina Beatrice. Schlimm genug, doch dann wird ihr Leben durch einen unsichtbaren Stalker auf den Kopf gestellt. Denn ein liebestoller Physiker hat eine nach Karamell riechende Wundercreme erfunden, welche die damit eingeriebene Haut unsichtbar macht. So hofft er seiner großen Liebe Beatrice näher zu kommen, die ihn aber schon in gemeinsamen Kindheitstagen verschmäht hatte. Honey kommt hinter sein Geheimnis und kann dieses nicht für sich behalten – Aber natürlich glaubt ihr niemand, sodass ihre verzweifelten Beweisversuche nur dazu führen, dass sie sich immer weiter vom Ballettensemble isoliert. Die Einweisung in die Psychiatrie ist nicht mehr weit... Nach einigem Hin und Her, bei dem sich die Honey und der Unsichtbare immer mal wieder in die Pfanne hauen oder sich retten (die Übergänge sind hier fließend), ändert sich die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren. Honey will nun niemandem mehr von der Existenz des Unsichtbaren überzeugen, stattdessen will sie ihn dazu bringen, sie auch unsichtbar zu machen. Denn wo der Unsichtbare noch als perverser Stalker einfach nur seiner großen Liebe auflauern wollte, will Honey die Banken des Landes um Millionen erleichtern. Was anfangs aber nur leidlich klappt, da ihr der Unsichtbare zwar einredet, dass sie nun unsichtbar ist, sie es aber gar nicht ist. Und so vermasselt sie, gerade weil sie sichtbar ist, anderen Bankräubern die Tour, welche sie daraufhin entführen und für einen politischen Anschlag missbrauchen wollen...
 

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Der Duft des Unsichtbaren“ ist zwar 128 Seiten lang, doch einen durchdachten Handlungsbogen mit stringenter Geschichte und nachvollziehbaren Figuren bekommt man spätestens ab dem zweiten Kapitel nicht mehr. Vielmehr wirkt dieser Comic so, als wäre er eine Comic-Anthologie mit mal nur zwei, mal sogar acht Seiten langen Kurzgeschichten, die jeweils durch Cliffhanger miteinander verbunden sind. Das liest sich alles recht uneinheitlich und nicht durchdacht, im Vergleich zum gestern rezensierten „Die süßeste aller Früchte“ oder sogar das etwas ältere „Die Geheimnisse des Maison Fleury“ wird die Geschichte aber komplett ohne erzählerische oder künstlerische Ambitionen heruntergerattert. Schade! Aber klar, bei einem Erotikcomic geht es am Ende eh nur um Nacktheit und Sex. Immerhin hier bietet Milo Manara genau das, was seine Fans von ihm erwarten. Wobei mir viele Szenen aber sauer aufstoßen, denn allzu oft werden hier keine konsensuellen Erotikszenen gezeigt, sondern misogyne Gewalt, sexueller Missbrauch und Vergewaltigung. Keine Ahnung ob das zur Erstveröffentlichung der Geschichte noch gesellschaftlich akzeptiert war, aber heutzutage sollte sich der „Splitter Verlag“ vielleicht doch überlegen, wie er mit solchen Thematiken umgehen will und ob dieser Comic unter dem richtigen Imprint/Label erscheint... Beispielsweise wird Honey von Terroristen mit Gewalt eine Dynamitstange eingeführt, um sie als lebendige Bombe in die Luft zu sprengen – Wie krank muss man im Kopf sein, um so eine Geschichte als erotischen zu bezeichnen?
 

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Fazit: „Der Duft des Unsichtbaren“ (Link) bietet eine Aneinanderreihung von misogyner & sexueller Gewalt. Ich glaube das war bisher der abartigste „Splitternackt“-Band, den ich bisher gelesen habe.

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