Aus meiner Begeisterung für das „TinyD6“-Regelsystem mache ich ja keinen Hehl. Denn das System ist so simpel, dass sich selbst meine Mädelsrunde das Spielleiten zugetraut hat, und zugleich so flexibel, dass man von Fantasy über WildWest bis hin zu SciFi wirklich jede erdenkliche Phantastik-Welt bespielen kann. Und oben drauf als Bonus kann man es noch mit so vielen optionalen Sonderregeln zupflastern, dass selbst ein Taktikspieler wie ich gefordert wird ;-)
 

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Logisch also, dass nicht nur ich begeistert bin, sondern viele Menschen weltweit. Und die bekommen nicht nur immer mal wieder einen neuen Genre-Band (wie zuletzt auf deutsch „Tiny Frontiers“), sondern auch Zine-Jahressammlungen mit Regelerweiterungen, Zufallstabellen, Mikroszenarien & Abenteuern. Und damit habe ich dann eigentlich auch schon beschrieben, was man vom „TinyZine-Kompendium I“ erwarten kann, nämlich mehr vom Gleichen, aber eben auch mehr vom Guten. Es gibt fünf Vermächtnisse, drei Merkmale, sechs Optionalregeln (von denen Fallen, Stufenanstiege & vereinfachte Initiativregeln sicherlich in viele „TinyD6“-Runden einziehen werden), vier thematische Sammlungen an Zufallstabellen (u.a. Schaukampfarenen und Diebesgilden – Allein daraus kann man sich schon mit wenig Phantasie ein Abenteuer basteln) sowie fünf Mikroszenarien (von denen der „Battlestar Galactica“-Klon für mich das Highlight aller bisherigen Mikroszenarien generell ist!) und zwei ausgearbeitete Abenteuer. Dazu kommt noch ein wenig Kleinkram (z.B. Spieltipps), dann ist das 120 Seiten dicke Hardcover-Büchlein auch schon durchgelesen. 
 

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Nun bin ich von solchen Materialsammlungen und explizit Genre-unspezifischen Fanzines ja nicht der allergrößte Fan, weil einfach immer viel zu viele Seiten mit Material für Settings/Genres verbraucht werden, die ich persönlich nicht bespiele. Gerade bei 30 € bin ich da sehr preissensibel, selbst wenn man anmerken muss, dass „Obscurati Publishing“ (die mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten) hier gute Arbeit geleistet hat, etwa indem das Hardcover mit ein wenig goldenem BlingBling aufgewertet wurde. Aber wenn man sich nicht nur auf ein Genre fokussiert, sondern wirklich die Setting-Vielfalt begeistert nutzt (und dafür ist ist das „TinyD6“-System ja eigentlich da), dann kann man hier unglaublich viel Mehrwert herausziehen. Und so hatte selbst ich mit viel Freude, denn die Abenteuer haben mir gefallen und, ich hatte es weiter oben erwähnt, das SciFi-Mikroszenario ist ein Highlight und sollte selbst mit diesen wenigen Worten (insgesamt nur 5 Seiten) dafür sorgen, dass man mit ein wenig Kreativität eine ganzes Wochenende mit einer Minikampagne verbringen kann. Also Daumen hoch hierfür :-) Ansonsten ist da halt ein typisches „TinyD6“-Produkt, also viel Fließtext, ein paar Bilder (hübsch, aber gefühlt weniger als in den Regelwerken, aber das hier ist ja auch nur ein Fanzine) und gute Layout- & Lektoratsarbeit (aber einen kleinen Redaktionsfehler hab ich gefunden, denn mir entgeht nichts, Sascha :-P). Daher gibt es am Ende auch ein positives...

Fazit: „TinyZine-Kompendium I“ (Link) zeigt einmal mehr, was für Potential in so einem simplen Regelsystem steckt, wenn man nur ein wenig kreativen Hirnschmalz einfließen lässt. Für je mehr Genres man sich begeistern kann, umso mehr Mehrwert wird man hier draus ziehen.