Die SciFi-Reihe „Colony“ ist so ziemlich das Comic-Äquivalent zum Drogenkonsum – Man weiß, dass es der Gesundheit schadet (zumindest hab ich schon oft den Kopf auf die Tischplatte gehauen, weil die angebliche Elite-Truppe von einer Falle in die nächste Falle tapst), und der Konsum erzeugt auch immer nur ein ganz kurzes Hochgefühl, eh man hinterher ein schlechtes Gewissen bekommt, weil man aktiv Lebenszeit verschwendet hat. Aber wie das halt so ist mit den Drogen, man weiß ja eigentlich, dass man die Finger davon lassen soll, aber dann wird man doch wieder schwach...
 

Bild

Und genau so geht es mir, „Colony“ (welches der „Splitter Verlag“, der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte, noch immer fälschlicherweise als „charakterstarke Space-Opera in bester Tradition von »The Expanse« vermarktet“) ist einfach meine ganz persönliche Charakterschwäche, quasi mein in einer Dosierung von 48 Seiten verkauftes Rauschmittel. Und so werde ich mich auch in dieser Rezension wieder aufregen, dass die Figuren super blass und super dumm sind, mich aber gleichzeitig unglaublich an wunderhübschen Zeichnungen erfreuen ;-) 

Wie immer aber zuerst eine kurze Zusammenfassung, damit die Späteingestiegenen unter euch hinterherkommen: Wir befinden uns in der Zukunft des Jahres 23. Jahrhunderts, in welchem die Erde eine Vielzahl an Kolonie-Raumschiffen ins All gesandt hat. Allerdings zum falschen Zeitpunkt, denn kurz darauf kommen freundliche Außerirdische, welche ihre SciFi-Technologie scheinbar freigiebig teilen. Also soll die Elite-Truppe rund um Milla Aygon all die verschollenen Raumfahrenden zurückholen, was gar nicht so einfach ist, da auch Piratencrews und Söldnertruppen nach leichter Kolonie-Beute suchen... Und dann gibt es so ein wenig Verschwörungskram im Hintergrund, der eigentlich nur als Feigenblatt für allerlei SciFi-Action dient (oft am Boden, seltener im Weltraum), denn die Aliens sind nicht alle freundlich und die Piratenbanden sind nicht alle böse, irgendwas mit KI ist auch – Und letztlich landet die Möchtegern-Elite bei einer echten Elite-Truppe, nur um mit neuer und noch besserer Ausrüstung trotzdem wieder in irgendwelche Fallen zu laufen...

Im neunten Band ist das Team etwas vergrößert, sodass zugleich zwei Einsätze parallel ablaufen können. Einerseits geht es auf einen Dschungelplaneten, bei dem der Trupp direkt von kannibalischen Indigenen gefangen genommen, nur um sich dann einer alten Bekannten entgegen zu stellen. Und andererseits bleiben ein paar Möchtegern-Elitetruppen im All zurück, um bei einer vermeintlichen Routine-Kontrolle in eine Alien-Roboter-Falle zu laufen... Doof gelaufen, aber am Ende ist das alles eh nur der übliche Aufhänger, damit die zahlreichen Gruppenmitglieder (von denen ich mir auch im Band 9 noch nicht einen einzigen Namen gemerkt habe, selbst Milla musste ich nachgooglen, weil sie einfach alle so vergessenswert sind...) dann will rumballern und um sich schlagen. Immerhin, und das muss ich diesem Band zugestehen, gibt es ein ganz klein wenig Charaktervertiefung für Milla und auch einen sehr interessanten Cliffhanger, der mich wieder auf den nächsten Drogenrausch... ich meine natürlich Comicband heiß macht. Und wie immer, das sieht einfach wunderhübsch und super stylisch aus, sodass SciFi-Fans wie ich hier erneut zugreifen werden.
 

Bild

Fazit: Ich muss es einfach akzeptieren, dass die „Colony“-Reihe nie mehr ist als ein schneller SciFi-Rausch für Comic-Fans, der ebenso schnell vergeht, wie er gekommen ist. Hieran ändert auch der 9. Band „Trübsal“ (Link) nichts, aber immerhin bin ich trotz aller Kritik weiterhin neugierig, wie es weitergehen wird.

Tags