Bekanntermaßen bin ich in den letzten Jahren ja immer mehr in die Fänge der OSR-Rollenspiele geraten. „Cairn“ (Link) fand ich so toll, dass ich darüber direkt eine Podcastfolge (Link) aufgenommen habe, und „Swords & Wizardry“ (Link) gehört (zumindest in der kostenlosen „Continual Light“-Variante) für mich zu den großartigsten OSR-Vertretern überhaupt. Was für eine wunderbare Koinzidenz ist es da, dass der OSR-Schauplatz bzw. die Minikampagne „Die Ghulscheuchen von Kosvin“ ausgerechnet für diese beiden Rollenspiele geschrieben wurde?
Also direkt mal den Blogger-Kollegen René Kremer (Link) angeschrieben, ob er mir nicht ein Rezensionsmuster rüberreichen könnten. Und konnte er, daher gehen wir da jetzt mal gemeinsam rein in diesen düsteren Abenteuerschauplatz, der aus viel Sozialspiel und zwei Dungeons eine interessante Minikampagne entstehen lässt. Das titelgebende Dörfchen Kosvin, mit 50 - 60 Personen nur ein unbedeutender Fleck am Rande des Totenreiches, ist eigentlich nur eine Durchgangsstation für Handelsreisende. Es gibt zwar auch etwas Landwirtschaft und eine kürzlich aufgegebene Eisenmine, aber das ist eigentlich kein Grund um dort zu verweilen. Und doch ist Kosvin nicht ausgestorben, denn bei aller Gefahr ringsherum ist es dank der magischen Ghulscheuchen doch halbwegs sicher – Ohne jetzt zu spoilern, die Dinger haben ordentliche Kampfwerte, da dürften sich die meisten Spielgruppen auf den empfohlenen Stufen 1 - 3 ordentlich die Zähne ausbeißen ;-) Aber natürlich kommt der Feind nicht von außen, sondern von innen, und so gilt es für die Spielenden gleich drei Handlungsstränge zu verfolgen. Erstens will ein geheimer Bluttrinkerkult sie mit einer Erkundung der stillgelegten Eisenmiene ablenken, zweitens ermittelt eine Inquisitorin gegen genau jenen Kult, während drittens eine weitere Okkult-Gruppierung die eigentlichen Fäden im Dorf zieht.
Also ganz schön viel zu tun für die Spielenden – Und vor allem mehr, als es zu Beginn den Anschein hat. Denn das Softcover-Büchlein umfasst zwar 72 Seiten, bietet aber auf den ersten Blick „nur“ zwei recht kleine Dungeons. Aber die sind auch fast schon nebensächlich, denn im Zentrum der Minikampagne steht die Dorfgemeinschaft mit verschiedenen Personen, Örtlichkeiten und eben dem im Hintergrund weiterlaufenden Meta-Plot. Dabei will ich jetzt nicht den Eindruck erwecken, als würde hier kaum gekämpft (denn Kämpfe gibt es, und die sind teils knackig), aber Sozialspiel und Ermittlungen stehen doch im Fokus – Zumindest, wenn man die „volle Erfahrung“ über den Zeitraum von ungefähr drei Spieleabenden erleben möchte. Denn René hat seinen Band so unterteilt, dass man stattdessen auch einzelne Handlungselemente herauspicken kann, um etwa an einem einzigen Spieleabend den Kult aufzumischen. Eine wirklich tolle Idee, aber auch irgendwie Perlen vor die Säue, denn wenn man sich als Spielleitung schon so tief in den Schauplatz einarbeitet, dann für das Gesamtpaket :-)
Die Einarbeitung ist durch den Sozialspiel-Fokus dann auch etwas umfangreicher, als ich es von anderen OSR-Abenteuern für „Swords & Wizardry“ oder „Cairn“ kenne. Nichts, was man nicht als durchschnittlich begabte Spielleitung händeln könnte, aber eben doch weit entfernt vom sofortigen Losspielen. Damit erinnert mich „Die Ghulscheuchen von Kosvin“ vom Abenteuerkonzept, aber auch von der ganzen Atmosphäre her irgendwie an viele Bände aus der „Schnutenbach“-Reihe von Karl-Heinz Zapf – Und das ist ja wohl mal eine großartige Assoziation, das darf hier durchaus als Lob verstanden werden. Im Vergleich zu Karl-Heinz schafft es René dann sogar seinen Band besser strukturiert zu präsentieren, sodass man die entsprechenden Informationen zügiger findet als bei den stimmungsvollen „Schnutenbach“-Textwüsten. Sehr nette Zeichnungen runden das Gesamtwerk ab, sodass die 10 € (digital), 15 € (gedruckt) oder 20 € (Bundle) vollkommen in Ordnung gehen. Von mir gibt es jedenfalls einen dicken Daumen hoch!
Fazit: „Die Ghulscheuchen von Kosvin“ (Link) ist eine tolle OSR-Minikampagne, die sich besonders für Spielgruppen eignet, die nicht nur stupide in den Dungeon wollen, sondern auch mal ein wenig Ermittlungen & Sozialspiel.
