„M - Eine Stadt sucht ihren Mörder“ gilt als einer der besten deutschen Filme aller Zeiten, gedreht von einem der besten deutschen Regisseure aller Zeiten, nämlich Fritz Lang. Ein echtes Kino-Meisterwerk, welches auch ich immer mal wieder voller Begeisterung anschaue. Da ist es doch eigentlich logisch, dass ich nun auch diesen Geschichtscomic begeistert anschaue, oder?
Und hier sind wir direkt beim ersten Stolperstein. Denn um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht so richtig, wie ich diesen Comic eigentlich einordnen soll. Der „Splitter Verlag“ selber, der mir übrigens dankenswerterweise wieder ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte, bezeichnet ihn zugleich als historischen Sachcomic und als stilvoll inszenierten Krimi. Und ich muss zugeben, ich kann mich mit beiden Einschätzungen nicht so richtig anfreunden. Aber mal von vorn: Fritz Lang, der geniale Filmemacher mit dem Hang zum exzessiven Geldausgeben, wird von Kommissar Lohmann mehr oder minder bedrängt, doch endlich mal einen Kriminalfilm über einen Serienmörder zu drehen. Wie passend, dass gerade eh der Serienmörder Peter Kürten, bekannt als „Vampir von Düsseldorf“ (Link), auf seine Hinrichtung wartet, denn der könnte eine großartige Inspiration für solch einen Film sein. Doch Lang ziert sich noch so ein wenig, weshalb ihn Lohmann mit zu realen Verbrechen mitnimmt, ihn in die Berliner Unterwelt einführt und ihm schließlich sogar einem Verhör von Kürten beiwohnen lässt...
Und damit kommen wir wieder zu meinen Problemen mit der werblichen Einordnung durch den Verlag. Denn sollte sich ein Krimi per Definition nicht um die Aufklärung eines Verbrechens drehen? Das passiert hier nämlich nicht, hier wird nur chronologisch mehr oder oder linear die Entwicklungs- und Drehgeschichte des Films abgehandelt. Aber, und das bereitet mir beim Begriff „historischer Sachcomic“ ein paar Bauchschmerzen, mit sehr viel – und ich meine eigentlich sehr sehr sehr viel – künstlerischer Freiheit. Das fängt schon damit an, dass der Lang-Fan Lohmann, der die Geschichte am Laufen hält und hier zum eigentlichen Dreh- und Angelpunkt der Filmerschaffung wird, eigentlich eine Figur aus dem fertigen Film ist. Und verschiedene andere Aspekte sind zumindest stark umstritten (etwa ob Lang wirklich Kürten getroffen hat oder, wie hier impliziert wird, wie groß sein Einfluss auf den Tot seiner ersten Frau war), ohne dass dies ersichtlich gemacht wird. Hier wird mir dafür, dass es ein historischer Sachcomic sein soll, einfach zu viel ohne begleitende Einordnung als feste Gegebenheit dargestellt. Und das ist ärgerlich, denn auch ohne diese ganzen künstlerischen Freiheiten wäre die Entstehungsgeschichte des Films spannend genug gewesen. Schade.
Dafür begeistern mich ungemein die großartigen Zeichnungen dieses 280 Seiten dicken Mammutwerkes, welche gekonnt den schwarz/weiß-Stil des Films einfangen. Selten habe ich so einen atmosphärischen Einblick in die späten 20er, frühen 30er Jahre bekommen. Und diese Zeichnungen sind es am Ende auch, die den Comic vor einem Verriss retten – Sie sorgen stattdessen sogar für ein halbwegs positives...
Fazit: „Krimi: Die Geschichte hinter Fritz Langs „M - Eine Stadt sucht einen Mörder““ (Link) ist eine wunderschöne und prinzipiell auch gerade für Film-Fans interessante Zeitreise, die leider ein wenig an der sehr freien Interpretation der Geschehnisse leidet. Würde man diesen Comic als reine Fiktion labeln oder all die künstlerischen Freiheiten offen benennen, ich würde ihm direkt eine Empfehlung aussprechen, aber so gibt es nur ein „Hübsch, aber hält nicht ganz ein, was er vorgibt zu sein“. Und das ist ärgerlich, weil dieses Problem nun nicht das erste Mal bei „Splitter“-Comics aufgetreten ist (obligatorischer Verweis auf „Colony“, IYKYK).
