Elisabeth Báthory (verheiratet Elisabeth Nádasdy; ungarisch Báthory Erzsébet, slowakisch Alžbeta Bátoriová/Báthoryová) war eine ungarische Gräfin aus dem Haus der Báthory von Ecsed. Ihre Verurteilung als Mörderin im Jahr 1611 ließ die Legende der „Blutgräfin“ entstehen, die die Vorlage für zahlreiche künstlerische Bearbeitungen lieferte. So leitet die deutsche Wikipedia ihren Artikel ein, der trotz seiner Knappheit (wie bei den meisten Frauenfiguren, dazu haben wir sogar vor vielen, vielen Jahr schon eine Podcastfolge (Link) zu gemacht, und es wurde nicht besser seither) durchaus mein Interesse an dieser Comic-Adaption geweckt hat, nachdem mich die Vorschau auf der „Splitter Verlag“-Homepage (der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte) mit einem Fokus auf Blut & Brüste nicht vom Hocker gehauen hatte – Und hier steige ich direkt rein: „Königliches Blut: Elisabeth Bathory: Die Blutgräfin“ ist, soviel kann ich vorweg nehmen, auf jeden Fall besser und auch etwas vielschichtiger, als es die Leseprobe glauben lässt!
Auf 56 Seiten wird hier, leider ohne Vor- oder Nachwort zur historischen Einordnung, die auf Legenden und durch Folter erzwungene Geständnissen basierende Lebensgeschichte der Blutgräfin erzählt. Jung verheiratet mit dem „Schwarzen Ritter“ Franz Nádasdy von Fogarasföld, der ihr in seiner Grausamkeit in nichts nachstand, stieg sie durch Erbschaften zu einer der mächtigsten Adeligen in Ungarn auf. Dass sie außerdem so gar keinen Bock auf den Papst hatte, sondern offiziell mit den Reformierten und inoffiziell mit dem Teufel im Bunde war, macht sie dabei zur Zielscheibe katholischer und ungarischer Machtgruppen. Die müssen dann auch gar nicht viel im Dreck wühlen, denn Elisabeth kann das grausame Ermorden von jungen, hübschen Frauen einfach nicht lassen...
Das ist dann auch schon die gesamte Geschichte des Comics. Ein wenig Biografie, ein wenig politische Intrige, ganz viele nackte Frauen und noch mehr von ihrem Blut – Damit füllt der Szenarist Jean-Pierre Pécau eben jene 56 Seiten, welche von Leo Pilipovic detailreich illustriert und von Silvia Fabris wunderbar düster koloriert wurden. Hier vermischt sich sehr viel Legende mit ein wenig historischem Hintergrund, am Ende bleibt man als Comic-Fan aber ratlos zurück, was man von dieser Geschichte aber halten soll. Vielleicht hätte eine historische Einordnung gut getan, denn so wirkt „Königliches Blut: Elisabeth Bathory: Die Blutgräfin“ wie ein Torture-Porn rund um eine Psychopathen-Gräfin – Und das ist dann vielleicht sogar erzählerisch sogar noch eine größere Schwäche als der fehlende Kontext: Bösewichtin gegen Bösewicht, wem soll man da die Daumen drücken? Alle Personen, egal ob die Gräfin oder ihr Gemahl oder die machthungrige Konkurrenz, sind durchweg schlechte Menschen, sehr oft ohne einen einzigen Grauton. Jedem und jeder von ihnen wünscht man eine angemessene Bestrafung, aber stattdessen wird Elisabeth noch als die „etwas schwierige“ Protagonistin verkauft... Das gefällt mir nicht, da bin ich vielleicht etwas zu simpel gestrickt, aber einer psychopathischen Massenmörderin will ich nicht die Daumen drücken – Einen vielschichtigen Umfang mit komplexen, mehr schwarzen als grauen Biografien haben da andere Comics schon deutlich besser hinbekommen. Schade!
Fazit: Schade! „Königliches Blut: Elisabeth Bathory: Die Blutgräfin“ (Link) ist sehr atmosphärisch und auch prinzipiell interessant, lässt aber die Chance für eine ambivalente Biografie oder wenigstens historische Einordnung komplett verstreichen, um am Ende hübsch gezeichneter Torture-Porn zu sein.
