Egal ob man die allererste Garde der DC-Superheldentruppe nimmt, etwa Batman oder Superman, oder jemanden aus der zweiten oder dritten Reihe – Auf den ehemaligen Geheimagenten Tom King, der sich nun ganz dem Geschichtenerzählen verschrieben hat, ist immer Verlass. Und so war ich auch wirklich gespannt, was er aus der eher mittelberühmten Black Canary machen würde, die sich hier über sechs Kapitel bzw. US-Einzelhefte hinweg mit der Superkillerin Lady Shiva in einem sportlichen Wettstreit prügelt.
Erzählt wird die 192 Seiten umfassende Geschichte dabei auf zwei Zeitebenen, oder eher sogar zweieinhalb. Einerseits natürlich im Boxring, in dem die typische Dramaturgie eines Kampffilmes wie „Rocky“ oder „Karate Kid“ vorherrscht: Angriff, Verteidigung, Hinfallen, Aufstehen, fiese Tricks, Comebacks... Wer das Genre kennt, wird hier keinesfalls überrascht sein, wie der zwar äußerst brutale, aber doch sportlich-faire Wettbewerb um den Titel der besten Nahkämpferin der Welt abläuft. Aber diese durchaus hübsch anzusehenden Kampfszenen sind fast nur Ablenkung von der zweiten Zeitebene, welche das Training beziehungsweise eher den Leidensweg von Black Canary zeigt. Die ist nämlich „nur“ die Tochter ihrer Mutter, die sehr viel berühmtere Original-Black Canary. Ihr versuch, in ihre Fußstapfen zu treten, erscheint ob der strengen Mutter dabei fast unmöglich. Doch dann erkrankt die Mutter unheilbar – Oder fast unheilbar, denn wenn sie eben jenen zentralen Kampf bis zur sechsten Runde durchhält, würde sie von einem zwielichtigen Schurken das Heilmittel bekommen...
All die Trainingsmontagen sind aufgelockert von „normalen“ Alltagsszenen (etwa Mutter-Tochter-Gesprächen zu einem potentiellen neuen Freund) und mit Rückblenden, welche den Charakter Dinah Lance a.k.a. Black Canary greifbarer machen. Nun kenne ich sie noch immer noch so gut, wie ich etwa Batman nach gefühlt einhundert Comicbänden kenne, aber Tom King hat es doch gant gut geschafft, mir ein Gefühl für diese Figur zu vermitteln. Und mehr kann man von diesem durchaus unterhaltsamen Band eigentlich nicht erwarten, weshalb es für das 27 € teure Schwergewicht aus dem „Panini Verlag“ (der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte) auch eine Empfehlung gibt.
Fazit: „Black Canary: Die Beste der Besten“ (Link) bietet einen gelungenen Mix aus interessantem Sport-Comic und Familien-Drama, welches zwar nur an der Oberfläche kratzt, aber schon einen guten Eindruck von der Protagonistin gibt.
