Der Milo Manara und ich, wir haben so eine richtige Hass-Liebe. Oder besser nur ich mit ihm, denn er kennt mich nicht, und das ist auch gut so. Aber ich liebe ihn einfach, weil es klicktechnisch einfach so genial ist (und auch spaßig), einen Verriss nach dem anderen rauszuhauen. Aber ich hasse ihn, weil er reihenweise misogynen Scheißdreck produziert... Reihenweise? Nein, nicht ganz, denn immer mal wieder hat der „Splitter Verlag“ auch halbwegs „normale“ Geschichten ins Portfolio aufgenommen. Die sind zwar erzählerisch keine große Kunst und zeichnerisch immer noch knallhart „male-gazig“, aber wenn das Stöckchen bei den Erotikcomics so niedrig ist, dann kann er sogar mit dem ganz und gar nicht guten „Flucht von Piranesi“ ganz locker drüber springen.
Dabei ist die Entstehungsgeschichte ziemlich wild, denn das hier war wohl mal angedacht als Werbecomic für „Mini Cooper“-Autos. Vermutlich war das der Marketingabteilung aber doch zu wild, wer weiß, aber jedenfalls sind entsprechende Anspielungen noch auf den 48 Seiten zu finden. Moment, 48? Genau, denn der „Splitter Verlag“ (der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte) verkauft zwar einen 72 Seiten starken Hardcover-Band (inkl. Kunstdruck), aber ein Drittel besteht nur aus Bonusmaterial. Das ist immerhin cool, wenn man denn den Manara-Stil mag, und zeigt teilweise auch Entwürfe, die es nicht in den Band geschafft haben. Schade, denn auch wenn ich mich gleich ein wenig über die Geschichte lustig machen werde, ist das allgemeine Setting und sein SciFi-Style doch relativ ungewöhnlich und daher für entsprechende Comic-Fans sehenswert.
Aber worum geht´s also? In der finsteren Zukunft werden alle Kriminellen auf den titelgebenden Gefängnisplaneten Piranesi verfrachtet. Natürlich kommt man da für Mord und Totschlag hin, aber eigentlich geht es primär darum, dass Menschen & Aliens mit nicht funktionierender Gen-Manipulation (die sie gefügiger macht) dorthin abgeschoben werden, wo sie sich dank Sterilisation oder gar Kastration nicht fortpflanzen können. Einer dieser Gefangenen hat jedoch großes Glück, denn er findet nicht nur eine genetisch noch komplett unveränderte Frau, sondern auch noch Hinweise auf eine alte Fahrzeugfabrik (na ratet mal welche Marke...). Es geht hin und her, denn die Gefängniswärter sind ihnen auf der Spur, und am Ende stellt sich der Gefangene als Doppelagent des Imperiums heraus, der eigentlich eben die Fahrzeugfabrik finden sollte. Rebellen-Überlebende mischen am Ende auch mit und ein wenig Konsum-Kritik darf auch nicht fehlen. Ende.
„Flucht von Piranesi“ wirkt wie von einem Grundschulkind verfasst, das ein wenig zu oft den Netflix-Murks „Rebel Moon“ geschaut hat, und bei dem dann noch der pubertäre große Bruder mitmischte, der gerade auf dem Guevara-Trip hängen geblieben ist. Und doch ist die vorhandene Geschichte nicht der größte Kritikpunkt, sondern die nicht vorhandene. Denn „Flucht von Piranesi“ wirkt wie der erste Akt einer mehrbändigen Reihe, die aber niemals erscheinen wird, weil Manara einfach darauf scheißt, ob wir uns in seine Geschichten investieren. Hauptsache, er hat mal wieder nackte Frauen gezeichnet, die entweder lüstern oder entwürdigend die Panels füllen. Und das ärgert mich diesmal tatsächlich viel mehr, als es das sonst tut, weil die Konzeptzeichnungen und der plakative SciFi-Trash doch irgendwie so einen weirden 60er-Jahre-Vibe ausstrahlen, der mein Interesse doch leicht gekitzelt hat. Schade! Wobei andererseits, der Comic erschien erst 2002 und es ist erschreckend, dass so ein SciFi-Stuss vor gerade mal einem Vierteljahrhundert ohne größeren Aufschrei publiziert werden konnte. Aber das frage ich mich ja eh bei jedem Werk von Manara – Dafür, dass wir hier alle angeblich so „woke“ sind und man ja nichts mehr sagen darf in einer grün-linken Meinungsdiktatur, wird noch erschreckend viel Manara publiziert und das auch erschreckend oft positiv rezipiert. Wo ist also die Woke-Polizei, wenn man sie mal braucht?
Fazit: Aber mal Spaß beiseite, ich muss „Flucht von Piranesi“ (Link) zugestehen, dass dieser SciFi-Trash eine gewisse Faszination ausstrahlt. Kaufen würde ich mir den Comic trotzdem nicht, selbst wenn die Geschichte nicht abrupt mitten in der Handlung enden würde, aber ich kann Manara zugestehen, dass er sich zumindest mal bemüht hat, nicht nur die ewig gleichen misogynen Fleischbeschauen zu zeichnen.
