2024 starben in Deutschland 34060 Menschen durch diverse Unfälle, 222 durch Mord, 1845 durch Totschlag & Tötung auf Verlangen. Das sind ungefähr 99 „nicht-natürliche“ Tode pro Tag. Allein in Deutschland. Und nun stellen wir uns vor, wir wären Superman, dessen einziger Lebensinhalt es als der Vorzeigeheld des DC-Comicuniversums ist, eben genau so etwas zu verhindern. Ganz schön stressig, oder? Vor allem, weil sich Superman ja eigentlich in den USA lebt und sich aber trotzdem für die gesamte Menschheit verantwortlich fühlt – Da hat er ja quasi eine Burnout-Garantie, gerade wenn er nebenbei noch einen Vollzeitjob als Journalist hat (fünfmal höhere Depressionsrate) und seine Dauerfreundin Louis Lane ja auch noch bespaßt werden will... Kann er bei so viel Stress eigentlich mit seinem Gewissen vereinbaren, für die Rettung einer einzigen Person all diese Verantwortung zurückzulassen?
Genau darum geht es in „Superman: Jenseits der Erde“, ein von vielen Comic-Fans hochgelobter Band von Tom King. Der ehemalige Geheimagent ist ja so etwas die die DC-Geheimwaffe, wenn es darum geht, dass Superhelden tiefgründiger dargestellt werden. Und so nun auch in dieser Comic-Anthologie, welche mit zwölf halbwegs zusammenhängenden Kurzgeschichten einen tiefen Einblick in das Selbstverständnis des Mannes aus Stahl gewährt. Die eigentliche Grundgeschichte ist dabei ziemlich simpel: Aliens haben ein kleines Mädchen entführt, also fliegt Superman hinterher (und zwar einmal quer durch den Weltraum). Soweit, so gut. In 12 Kapiteln (entspricht 6 US-Heften – ja, so kurz sind die einzelnen Geschichten) erlebt er dann allerlei Schwierigkeiten, welche uns als Lesende den Superman-Charakter und auch seinen Einfluss auf die DC-Welt näher bringt. Denn er verbeißt sich so sehr in die Suche, dass er dafür andere Menschen ihrem Schicksal überlässt. Allein wie oft Louis Lane hier stirbt ist schon rekordverdächtig ;-)
Die Hindernisse, die es auf der Suche zu überwinden gibt, sind dabei ziemlich spannend – Gerade auch, weil sie eben in nur wenigen Fällen auf klassische Action setzen. Also ja, da gibt es etwa die Abwehr einer Invasion oder eine Zeitreise in den 2. Weltkrieg. Aber dann gibt es eben auch Gedankenspiele über die Zurückgelassenen, die verzweifelt auf Superman hoffen, einen Boxkampf ohne Superkräfte, ein Wettrennen gegen Flash (und irgendwie auch Lex Luthor) oder die Suche nach der richtigen Ansprechperson in einer Weltraumbehörde, was frappierend an den Passierschein 38A aus Asterix erinnert... Weiß ich jetzt noch viel mehr über Superman, als ich vorher wusste? Nein. Ist das aber eine sehr nette Ergänzung in altbekannter King-Qualität, noch dazu sehr hübsch verpackt? Absolut! Wer sich also selbst als Superman-Fan bezeichnen würde, kann hier bedenkenlos die 24 € investieren, welche „Panini Comics“ (die mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten) gerne für den 176 Seiten starken Sammelband hätte.
Fazit: „Superman: Jenseits der Erde“ (Link) bringt uns in 12 Kurzgeschichten den Superhelden Superman näher. Keine leichte Kost für Comic-Neulinge, da gibt es bessere Superman-Comics, aber Fans des Mannes aus Stahl werden hier gut bedient.
