Wer auch nur ein einziges Mal auf die Webseite des „Splitter Verlags“ geschaut hat (so wie ich, wenn ich schaue, welches Rezensionsexemplar es diesen Monat dann sein soll), der hat garantiert schon einmal den Namen Jean-Luc Istin gelesen. Oft als Szenarist, gelegentlich als Zeichner, hat er von allen auf diesem Blog rezensierten franko-belgischen Comics vermutlich am allerhäufigsten irgendwo seine Finger mit im Spiel gehabt. Nachdem ich nun diverse SciFi-Konzeptcomics aus seiner Feder besprochen habe (z.B. „I.S.S. Snipers“ (Link) und „Conquest“ (Link), bei sehr leichtgewichtige, aber stylische Kost), entführt er mich nun in ein Fantasy-Piraten-Setting, welches – so viel Spoiler vorweg darf schon sein – erneut sehr leichtgewichtig und zugleich sehr stylisch ist.
Die Fantasy-Welt Arathon ist ideal für Piraten-Banden geeignet. Denn die verschiedenen Inseln werden durch zahlreiche Ozeane voneinander getrennt, sodass Segelschiffe das wichtigste Fortbewegungsmittel sind. Und wo es viele schwimmende Beute gibt, da gibt es auch fiese Leute, die Bock auf diese Beute haben. Die titelgebende Bruderschaft der Stürme ist dabei ziemlich tief drin im Piraten-Business – Einmal kein Schutzgeld bezahlt, schon schwimmt man mit den Fischen ;-)
Das Leben hatte für die 12jährige Agora eigentlich ganz andere Pläne, aber als sie nach einem Überfall, bei dem ihre Familien dahingemetzelt wird, bei dem Ork-Piraten Thoorak unterkommt, „muss“ sie sich der Bruderschaft anschließen. Die ist zwar von einem Mädchen an Bord des Segelschiffs „Laterne“ nicht sehr begeistert, von ihrem geerbten Medaillon aber umso mehr. Und wer hätte es gedacht, natürlich ist auch Thoorak ein fieser Pirat, und so hintergeht er Agora bei der erstbesten Gelegenheit und lässt sie nahezu mittellos in einem fernen Hafen zurück. Von Rache getrieben erlernt sie dunkle Magie, um sich ihr Erbstück zurück zu holen und um die Bruderschaft zu bestrafen – Was nur der Ausgangspunkt ist für magische und familiäre Verwicklungen, die fast schon ein wenig zu umfangreich sind für gerade mal 64 Seiten, wodurch die Charakterisierung der Figuren dann doch etwas auf der Strecke bleibt. Dafür geht es aber flott vorwärts, hier kommt nie Langeweile auf, sowohl bei „bodenständigen“ Duellen als auch gegen Ende hin, wenn das Powerlevel von Agora & Co ins Gottgleiche abdriftet. Nutzen Istin und mit ihm Sylvain Cordurié hier all das Story-Potential aus, welches die Ausgangssituation aufwirft? Nein, zu keinem Zeitpunkt! Aber macht diese Piraten-Fantasy-Action (mit deutlicher Betonung auf „Fantasy“ und noch mehr auf „Action“) einfach richtig viel Spaß? Absolut! Und sieht das alles zusätzlich auch noch mega cool aus? Nochmal absolut! Sollte man hier also unbedingt mal reinlesen, selbst wenn man kein Piraten-Fan ist? Absolut zum Quadrat!
Fazit: „Die Bruderschaft der Stürme #1 Thoorak“ (Link) macht mir beim Lesen deutlich mehr Spaß, als man nüchtern betrachtet glauben sollte. Denn die flott erzählte Piraten-Geschichte bietet spaßige, wenn auch etwas stumpfe Fantasy-Action mit wunderschönen Zeichnungen. Definitiv eine Empfehlung!
