Der „Splitter Verlag“ macht mit seinem Saukram-Imprint „Splitternackt“ regelmäßig Saukram, den ich sehr oft sehr schlecht oder manchmal auch richtig gut finde. Jedes Rezensionsexemplar ist eine neue Überraschung, auch wenn ich zumindest bei manchem Kreativen schon recht gut abschätzen kann, ob das jetzt gut oder schlecht wird. Spoiler: Manara ist Mist, Axel dagegen oft überraschend gut. Neu im Verlagsportfolio ist nun Andrew Tarusov, welcher erst vor wenigen Wochen die englische Übersetzung seines zweiten Bandes überaus erfolgreich gecrowdfundet hat. So weit sind wir mit „Swinging Islands“ aber noch nicht, auch wenn die zukünftigen beiden Bände bereits angekündigt wurden („Pleasure Island“ für Oktober und „Heilige Hochzeit“ für Januar). Aber das ist noch Zukunftsmusik, wir starten erst einmal mit dem Auftaktband dieser – mehr als alle anderen „Splitternackt“-Bände – überaus pornösen Reihe.
Grant und Betty sind im Urlaub, doch eine grausame Wahrheit überschattet das junge Glück. Denn Betty hatte bereits einen Dreier, was Grant in seiner Männlichkeit verunsichert. Aber am FKK-Urlaubsstrand kommt er rasch auf andere Gedanken, denn die hübsche Rita kommt mitsamt ihrem brasilianischen Lover vorbei. Und schnell wird aus einem leichten Flirt eine explizite Orgie, die sich über sportliche 104 Seiten erstreckt... Und das ist dann auch ungelogen die komplette Geschichte: Grants kurze Selbstzweifel werden bereits nach wenigen Panels „weggeblasen“ (Doppeldeutigkeit beabsichtigt), weil hier ein fröhlicher Partnertausch stattfindet, bei dem alle besonders Grant eine beneidenswerte Standfestigkeit an den Tag legt.
„Swinging Islands“ ist durchaus solide gezeichnet und für einen sexfokussierten Comic auch überraschend unproblematisch – Milo Manara möge sich hier mal ein Beispiel nehmen, auch wenn interessanterweise für irgendwie jede Sexpraktik das Einverständnis eingeholt wird (vorbildlich!), nur Würgen ist irgendwie so selbstverständlich wie Rumknutschen. Aber da will ich jetzt auch kein Fass aufmachen, dieser Comic ist eben ein gezeichneter Porno, der gewissen Porno-Logiken folgt. Wobei ich selbst auf einschlägigen Online-Plattformen schon hausgemachte Amateurfilmchen gesehen habe, die deutlich mehr erzählerischen Anspruch hatten. Oder um es mit einem praktischen Beispiel zu belegen: Seite 5 ist die erste Seite der Geschichte und zugleich die einzige Doppelseite überhaupt, auf der es keine nackten und/oder kopulierenden Menschen zu sehen gibt. Und damit ist „Swinging Islands“ vielleicht der bisher ehrlichste „Splitternackt“-Comic, weil hier eben nicht eine alibimäßige Geschichte zurechtgeschustert wird, damit man irgendeinen Grund für Sex hat. Aber da frage ich mich dann doch, warum man 25 € für Sexbildchen von nichtssagenden Comicfiguren ausgeben sollte, wenn man für das Geld auch einen Monat Onlyfans-Sexfotos von echten Menschen bekommt (und zwar welchen, zu denen man ja schon eine parasoziale Beziehung aufgebaut hat). Oder, absoluter Spartipp, es gibt da Webseiten mit „Porn“ und „Hamster“ im Namen, da gibt es den ganzen Kram sogar umsonst!
Fazit: Mir persönlich erschließt sich nicht, wer „Swinging Islands“ (Link) kaufen soll, da es wirklich ausschließlich Sexszenen ohne einen erzählerischen Mehrwert bietet. Andererseits war das letzte Crowdfunding so erfolgreich, dass ich nicht daran zweifle, dass auch der „Splitter Verlag“ hier mehr als genug Kunden (bewusst nicht entgendert) finden wird. Und die bekommen immerhin ordentliche Zeichnungen von Sexszenen, die erfreulich unproblematisch sind.
