Erinnert sich noch irgendwer an die Corona-Zeit? Wir hatten alle viel zu viel Langeweile und vor allem viel zu viel Redebedarf. Also schossen „Laberpodcasts“ wie Pilze aus dem Boden, nicht nur bei uns in der Nerd-Szene, sondern so generell. Der Trend ist jetzt zwar ein wenig ausgelaufen (außer man ist Promi und bekommt dafür viel Geld von RTL+), aber wer sich trotzdem mal im selbstbezogenen Rumlabern ausprobieren, kann dies nun mit dem kommunikativen Partyspiel „Podcast: The Game“ nachholen.
So leicht die Regeln auch sind, dazu komme ich gleich, so schwer war es für mich tatsächlich eine Testgruppe zu finden. Einerseits, weil das Spiel (wie alle Partyspiele) erst in größeren Gruppen Spaß macht (und damit eine Rezension aussagekräftig wird – und wenn mir der „moses. Verlag“ schon ein Testmuster schickt, dann soll er ja auch einen Qualitätstest bekommen) und man entsprechend viele motivierte Mitspielende finden muss; und andererseits, weil es doch eine gewisse Podcast-Müdigkeit in meinem Umfeld gab. Denn obschon hier nicht sehr viel komplexere Fragen beantwortet werden wie in „Wahrheit oder Pflicht“, sorgte die Grundthematik erst einmal für eine gewisse Skepsis. Aber die war unbegründet, denn im Kern ist „Podcast: The Game“ einfach nur ein kooperatives Rumgelaber-Partyspiel. Und das meine ich keinesfalls negativ!
Die Vorbereitungen sind denkbar einfach, denn man muss einfach nur das Spielbrett aufklappen, die zehn Kategorien umfassenden 200 Spielkarten aufteilen und die Mikrofon-Holzfigur auf die Kategorie „Icebreaker“ stellen. Das war es schon, dann geht es los. Der Startspielende moderiert den Podcast an und bespricht eine „Icebreaker“-Frage (z.B. was die Lieblingseissorte ist), dann geht es reihum. Ein Würfelwurf bestimmt dabei, von welcher Kategorie (z.B. Deep Talk, Good Memories, Reallife, Statement) man nun eine Karte zieht. Würfelt man dagegen einen Papierflieger, wird eine Fanpost-Karte gezogen, die dann nochmal persönlichere Fragen stellt. Wobei hier eine Chance liegengelassen wurde, denn wenn etwa so etwas gefragt wird „was macht X mit Y in Z“, dann wäre hier eventuell eine Würfel-Zufallstabelle (gern auch mit etwas abstrusen Ergebnissen) deutlich witziger gewesen als das, was man sich spontan so ausdenkt, wenn man die Lücken füllen muss. Zudem gibt es noch ein Freestyle-Feld, bei welchem man angehalten ist auch mal praktische Dinge zu tun (im Regelwerk werden z.B. Liegestütze oder Schnick-Schnack-Schnuck vorgeschlagen). Das widerspricht natürlich dem Konzept eines Audiopodcasts, denn da sehe ich ja die Liegestütze nicht, es lockert die Spielrunde aber ungemein auf.
Hat man am Ende zehn Karten abgearbeitet, vergibt man noch ein paar Auszeichnungen (z.B. der lustigste Spruch oder die kontroverseste Meinung), bevor man die Spielrunde Revue passieren lässt und eventuell noch die Chronik ausfüllt. Gänzlich motivierte Spielgruppen können das Spiel natürlich auch aufnehmen und unter #podcastthegame auf Social-Media hochladen, ich habe aber zumindest auf den von mir genutzten Plattformen genau eine Aufnahme gefunden habe. Schade, ein wenig mehr öffentliche Liebe hätte das Spiel nämlich schon verdient. Also ja, sind wir ehrlich, hier wird ein fast schon wieder vergangenes Trendthema über ein simples und auch sehr harmloses Debattenspiel drübergestülpt. Aber insgesamt macht es halt doch Spaß und ist bei großen Gruppen, die noch nicht intim genug sind für „Wahrheit oder Pflicht“, eine gut gemachte Alternative. Erwähnenswert ist dabei noch, dass es mittlerweile thematische Erweiterungen gibt (aktuell True-Crime & Mystery).
Fazit: „Podcast: The Game“ (Link) ist ein super simples Kommunikationsspielchen, welches harmlos und oberflächlich genug bleibt, sodass man es bedenkenlos mit Fremden auf einer Party spielen könnte. Es kommt vielleicht zwei oder drei Jahre zu spät, um den großen Corona-Podcast-Hype mitzunehmen, ist für Fans solcher Spiele aber definitiv kein Fehlkauf.
