Die Frage nach dem Leben nach dem Tod ist vielleicht das größte Mysterium des Menschseins. Der berühmte Comic-Autor Brian K. Vaughan bringt mit „Spectators“ nun seine eigene Vision des Todes – und die ist, trotz des „Weiterlebens“, erschreckend deprimierend und dystopisch.

Eine junge Frau wird bei einem Amoklauf erschossen, denn Social-Media stachelt Waffenfreaks weltweit dazu an, möglichst viele Menschen umzubringen. Doch weder kommt sie in den Himmel noch in die Hölle, stattdessen bleibt sie einfach als eine Art Geist auf der Erde. Und mit ihr Millionen anderer Toter, die nicht den letzten Schritt ins Jenseits gehen wollen. Aber was macht man nun, wenn man durch Wände gehen und sehen kann, wenn sich selbst von der Erde entfernen könnte und wenn Zeit keine Rolle spielt? Genau, man folgt den voyeuristischen Trieben und schaut anderen Leuten beim Sex zu. Immer auf der Suche nach einem Dreier (wie verdammt schwer kann das in einer Großstadt sein?), aber über Jahrhunderte hinweg erfolglos, sodass man letztlich sogar dem finalen, ebenfalls von einem Amokläufer ausgelösten Weltkrieg beiwohnen kann...

Um ehrlich zu sein war es das dann auch schon mit der kompletten Geschichte. 344 Seiten voller Sex und Gewalt, garniert mit einigen wenigen Diskussionen um Vergangenheit und Vergänglichkeit. Das ist gleichermaßen morbide und auch schön anzuschauen, allerdings ohne rechte Tiefe, weil Schockeffekte und eine stetige soziale Abstiegsspirale mehr zählen als die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Erwachsene Comic-Fans dürfen trotzdem gerne die 49 € zahlen, die „Panini Comics“ (die mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten) für das hübsche Hardcover verlangt – aber ich wette, nach einmaligem Lesen wandert dieser Comic für immer und ewig ins Regal.

Fazit: „Spectators“ (Link) hat viel Potential, nutzt es aber nicht, weil sex- und gewaltbasierte Schockeffekte merklich im Vordergrund stehen.

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