Stellt euch vor, ihr geht in euren Keller, und da liegen einfach mehrere hundert VHS-Hüllen. Wertloser Plastik-Müll, der die Gelbe Tonne verstopft (falls man das da überhaupt reinwerfen darf?). Aber zum Glück sind die Jungs & Mädels der dLG e.V. sehr viel kreativer als ich, denn die machen aus diesem Müll einfach mal Gold! 
 

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RE•CORD“ ist ein Abenteuer für das deutsche Mythos-Rollenspiel „FHTAGN“ – aber eigentlich wird dieser Satz dem Gesamtwerk gar nicht gerecht, denn „RE•CORD“ ist ein limitiertes Sammelobjekt, welches ein Mystery-Ermittlungsabenteuer mit dem (Nicht-)Meta-Wissen der Spielenden, einigen Zeitsprungepisoden und einem Nierenschlag-Finale verknüpft. Ich versuche nicht zu spoilern, deswegen fasse ich die Handlung nur ganz kurz zusammen: Felix, ein Verschwörungsblogger, ist mit einem alten VHS-Recorder verschwunden. Er hatte sich sehr für die Machenschaften eines seit 25 Jahren geschlossenen Esoterikzentrums interessiert, weshalb sich nun die Spielenden für ihn interessieren. Sie sollen ihn finden, weshalb die bereits vorgefertigte Dreiergruppe über acht Schauplätze hinweg einmal quer durch Berlin ermittelt. Immer wieder lösen diese Ermittlungen dabei Flashback-Szenen aus, welche nach und nach die Wahrheit offenbaren. Und ich sag euch wie es ist, die Wahrheit wird niemandem gefallen ;-)

Wie gesagt, das war jetzt alles kurz und knapp, denn jeder Spoiler würde die Wucht der Geschichte mindern. Darum kommen wir mal direkt zur Spielmechanik. Am wichtigsten ist hier vielleicht vorab, dass das Abenteuer ausgesprochen regelarm gestaltet wurde, sodass man es problemlos und ohne große Adaptionsarbeiten auch mit alternativen Regelwerken (und zwar nicht nur W100-Systemen, sondern wirklich mit jedem noch so regelleichten System) spielen kann. Wenn ich mich jetzt nicht irre, habe ich in den ganzen vier Abenteuerheftchen genau eine „FHTAGN“-spezifische Regelanweisung gelesen – wilde Theorie, aber ich glaube die knallharten Erzählspiel-Fans da draußen könnten „RE•CORD“ sogar als Freeform genießen. 

Zumindest als Spielleitung muss man sich dann aber doch intensiver mit der Materie beschäftigen, auch wenn die Rollenspiel-Redaktion der dLG e.V. (die mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte) die VHS-Hülle mit richtig viel hilfreichem Material vollgestopft hat. Denn neben den vier Abenteuerheftchen (zusammen 168 Seiten) und den drei SC-Charakterbögen gibt es auch noch neun NSC- & Schauplatz-Zettel, zwei wirklich hilfreiche Spielhilfen und zwei Props. Und die muss man sich tatsächlich alle zu Gemüte führen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was „RE•CORD“ eigentlich ist...
 

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Zumindest ich habe es erst nach der Gesamtlektüre verstanden, und plötzlich war mir dann auch klar, wie diese Heftchen und Zettelchen alle im Zusammenhang zueinander stehen. Und das war der Punkt, an dem ich mir zugetraut habe, das Abenteuer selbst mit meiner mittelmäßigen Erfahrung als Spielleitung zu leiten. Denn „RE•CORD“ ist eigentlich gar nicht so kompliziert, da die Spielenden im Prinzip „nur“ die verschiedenen Berliner Schauplätze abklappern, um dort einerseits Hinweise zu finden (die zu neuen Schauplätze führen) und um andererseits neue Flashback-Szenen „freizuschalten“. Diese Flashbacks, quasi Mini-Sidequests in der Vergangenheit, in der jeweils ein Gruppenmitglied eine kurze Episode erlebt, vervollständigen dann nach und nach das Gesamtbild des Geschehens. Mit einer angepeilten Spielzeit von 5 bis 8 Stunden (was ich für realistisch halte) erlebt man hier quasi ein eher lineares Ermittlungsabenteuer, das mit seinen Wechseln zwischen Vergangenheit und Gegenwart mehr wie eine TV-Serie wirkt, bei der die Zuschauenden (beziehungsweise die Spielenden) immer mehr Meta-Wissen ansammeln und in ihrem Kopf das Verschwörungspuzzle vervollständigen, während die Figuren in der Handlung noch ziemlich auf dem Schlauch stehen. Ich glaube auf Seiten der Spielenden ist diese Trennung zwischen IT- & OT-Wissen dann auch die einzige spielerische Schwierigkeit in einem, und das würde ich fast schon so als Fazit schreiben, richtig spannendem interaktiven Film. Also kurz: „FHTAGN: RE•CORD“ (Link) ist ein weiteres Meisterwerk der dLG e.V. :-)