Der Herbst ist da! Und wisst ihr, was das bedeutet? Genau, die ganzen Influencenden, Bloggenden und TikTokenden da draußen testen wieder völlig überteuerte Adventskalender. Denn auch diese sind mittlerweile zu einem Statussymbol geworden, das sich am Ende gut auf Social Media macht ;-) Also schließe ich mich dem Adventskalender-Hype doch mal an, denn „Magnificum“ (das sympathische Krimispiel-StartUp aus Stuttgart, welches letztes Jahr auch bei uns im Podcast (Link) dabei war) hat ein neues Krimispiel veröffentlicht. Und passend zum Jahresende kann man das auch ganz wundervoll als Adventskalender spielen, um am Ende herauszufinden, wer den nervigen Nachbarn in der vierten Etage eines Frankfurter Luxusappartments getötet hat.
„Mord in der vierten Etage“ ist prinzipiell erst einmal ein handelsübliches „Magnificum“-Krimispiel (die mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten), also ein dicker Pappumschlag mit allerlei Spielmaterial wie etwa Briefen, Fotos, Karten und natürlich dem fast schon obligatorischen „ausgedruckten Internet“. 31 Beweise gibt es zu erforschen (im optionalen Adventskalender-Modus sind nur 7 frei zugänglich, während man dann 24 Tage lang jeweils einen Beweis öffnen darf), wobei diese sehr oft auch auf das echte Internet verweisen. Denn wieder gibt es allerlei für das Spiel erstellte Webseiten, auf denen man zusätzliche Informationen, Tondateien oder Videos erhält. Das alles ist eingebettet in die kooperative Mörderjagd des real existierenden True-Crime-Podcasts „Mörderische Heimat“, der hier als Dreh- & Angelpunkt der Geschichte fungiert. Wobei es schon ein wenig befremdlich ist, wenn man die ganze Zeit von Fans irgendwelche Beweise zugeschickt bekommt, die den Tatort stalken, Nachbarn belästigen oder die ihren Job riskieren, weil sie Ermittlungsunterlagen leaken. Ich bin nur ein juristischer Laie, aber gilt dann nicht §353b StGB?
Aber kommen wir mal zum eigentlichen Fall. Der ist auf den ersten Blick gar nicht so kompliziert, beschäftigte mich beim Testspiel dann aber doch knapp 3 Stunden (womit ich wieder gut im Durchschnitt der 2-4 vom Verlag veranschlagten Stunden lag – und ja, ich hab die „normale“ Variante gespielt und nicht den Adventskalender): Thomas Martinelli, der nervige Nachbar von nebenan, wird in der Wohnung seiner Nachbarin ermordet. Was er dort gemacht hat, ist ebenso mysteriös wie die Suche nach dem Täter (wie immer m/w/d, es soll ja niemand gespoilert werden), denn alle potentiellen Verdächtigen haben ein Alibi. Krimispiel-Fans wissen nun also, wie der Hase läuft, denn irgendwer lügt und die Spielenden müssen nun in fiesliger Kleinarbeit herausfinden, wer genau. Wobei, vielleicht lügen auch alle, denn beispielsweise ein Schwein im Bademantel, nachbarliche Drohnenbeobachtungen und mögliche Geistererscheinungen lassen erahnen, dass es in diesem Luxusapartment doch nicht so harmonisch und idyllisch zugeht, wie es auf den ersten Blick scheint...
„Mord in der vierten Etage“ hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn ich tatsächlich ein wenig gebraucht habe, um mich in diesen Fall „hineinzufühlen“. Zu Beginn stochert man doch relativ viel im Trüben, auch weil das Opfer und die Verdächtigen recht fremd wirken. Dafür kommt man aber rasch zu Erfolgserlebnissen, da allein die Untersuchung der „offenen“ Beweisstücke nahezu immer direkt zu neuen Erkenntnissen oder der Freilegung von „verborgenen“ Beweisen (die man erst öffnen darf, wenn X passiert ist) führt. Aber gegen Ende hin kam ich in eine Sackgasse, bei der ich mich selbst mit der Hilfestellung schwer getan habe, was umso frustrierender war, weil ich theoretisch wusste, was ich machen muss (Spoiler für die, die es schon gespielt haben: Zeugin bestechen und die Mittel dafür ranschaffen – wobei zumindest die Bestechung gar nicht so schwer gewesen wäre, wenn ich mir den Hinweis nicht auf einem einem kleinen Handy angeschaut hätte. Daher der ultimative Tipp: Tablet mit Kamera und großem Bildschirm. Oder PC für die Webseiten und Handy für die QR-Codes & Gesichtserkennung.). Von diesem einen Knackpunkt mal abgesehen ging die Ermittlung aber relativ komplikationslos voran, sodass ich diesen Fall als mittelschwer einordnen würde.
Gefallen hat mir generell, wie eigentlich immer bei „Magnificum“, die Produktionsqualität. Tolle Sprachausgabe, nette technische Spielereien (z.B. Gesichtserkennung, digitales Mikroskop & WhatsApp-Rekonstruktion) und nicht zuletzt die gute Papierqualität beweisen wieder einmal, und das darf man gern als Fazit verstehen, warum wir es hier mit einem der deutschen Krimispiel-Platzhirsche zu tun haben. Also kauft euch keinen Influencer-Adventskalender-Quatsch, sondern dieses Adventskalender-Krimispiel (Link)!
