Erinnert ihr euch noch an unsere legendäre 3. Rant-Folge vom 1. April (Link) diesen Jahres? Wenig überraschend war damals generative KI das größte Rollenspiel-Aufregerthema. Und alles, was damals geschimpft wurde, stimmt noch immer – aber es stimmt eben auch, dass es einige Projekte gibt, die trotz (oder, schlimmer noch, gerade wegen?) generativer KI erfolgreich wurden. So etwa die „Gates of Krystalia“-Reihe, deren Crowdfundings sich von Jahr zu Jahr in immer neue Höhen schwingen (das Grundspiel schaffte 2024 „nur“ 243%, die diesjährige neuste Erweiterung beeindruckende 4995%). Und da mir Alberto & Andrea nach ihrem Interview (Link) ein Rezensionsexemplar anboten, habe ich mir dieses Isekai-Rollenspiel mal näher angeschaut.
 

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Zuvorderst, um das Thema direkt abzuräumen: KI! Viel KI! Ja, dadurch sieht das ganze Buch sehr viel bunter und hübscher aus, als so ein Nischenprojekt eigentlich aussehen sollte, aber all das Wasser und all den Strom hierfür hätte man sicherlich auch sinnvoller verwenden können.
 

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Okay, noch jemand da? Gut, dann starten wir jetzt mal direkt rein. „Gates of Krystalia“ ist ein sogenanntes Isekai-Rollenspiel, man spielt daher quasi entsprechende Animes bzw. Mangas nach, in denen arglose Sterbende von einer Göttin in ein knallbuntes Japano-MMORPG-Multiversum geworfen werden, um eben die Klischee-Fantasy-Dinge zu tun, die man da halt so tut (Monster killen, Gilden beitreten, einen Harem zulegen). Dabei eröffnet das Multiversum-Setting mehr Möglichkeiten, als ich es gerade spöttisch zusammengefasst habe, denn mit dem Spielleitungshandbuch (welches in meinem Sammelschuber-Rezensionspaket enthalten war, dies entspricht dem Umfang nach dem 2. von 3. Kickstartern) kann man auch realweltliche Dinge erleben (Schulmangas in all ihren Ausprägungen, von Sport bis zu Liebe) oder mit diversen SciFi-Fahrzeugen (Mechas!) durch das Multiversum streifen. Ein bunter Mix also, der eine ganze Bandbreite an entsprechenden Mangas/Animes abdecken dürfte. Nicht nur Isekai-Fans dürfen hier also schon mal hellhörig werden, wobei man eine gewisse „Vorbildung“ durch seinen Lieblingsmanga/-anime schon deshalb mitbringen sollte, weil das eigentliche Krystalia-Setting eher rudimentär ist. Stattdessen bekommt man einen, gerade in meiner rund 500 Seiten dicken Sammelschuber-Edition, reichhaltig gefüllten Werkzeugkasten, den man dann für seine eigenen Abenteuer nutzen muss.
 

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Spielmechanisch setzt „Gates of Krystalia“ auf ein kartenbasiertes Regelsystem, bei dem die 52 Karten nicht nur den Probenwurf ersetzen, sondern zugleich auch die Lebenspunkte darstellen. Der Kartenwert wird dann plus Boni/Mali (z.B. Fähigkeit oder bestimmte Kartenkombinationen) und eventueller Segen (Verdoppelung bei passender Farbe) mit dem Zielwert verglichen, dann wandern die genutzten Karten abgelegt. Sind alle 52 Karten weg, sind auch die Lebenspunkte weg, und dann ist man erstmal fertig mit der Welt ;-) Beim Probensystem sind dadurch zwei Wahrheiten gleichzeitig gültig: Ja, in der Theorie und der späteren Spielpraxis ist das auf nur vier Fähigkeiten basierende Regelsystem so taktisch und vor allem aber eingängig, wie immer wieder behauptet wird. Aber wahr ist eben auch, dass der Einstieg unglaublich schwer ist, weil mir die Aufteilung der Regeln im Buch leicht willkürlich oder zumindest nicht immer gut durchdacht erscheint (da gibt es bestimmt ein System dahinter, aber ich such mich trotzdem immer noch dumm und dämlich) und weil man, wie eben in einem MMORPG-Videospiel, eine ganze Menge an Management von Techniken, Zaubern etc. bewältigen muss. Ich sag wie es ist, nach drei Levelaufstiegen mag es sich umkehren, aber der Einstieg ist beim Platzhirsch „Dungeons & Dragons“ wesentlich intuitiver. Hier muss man sich reinarbeiten, und zwar so richtig. Dank der mitgelieferten Online-App (Link) wird das zwar prinzipiell erleichtert, aber eigentlich wollen wir hier ja immer noch Tabletop-Pen-and-Paper spielen und nicht MMORPG-Videospiele ;-)
 

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Fazit: „Gates of Krystalia“ (Link) ist vermutlich der absolute Traum aller Manga-Fans, besonders wenn sie Isekai-Geschichten mögen. Nun bin ich das zwar nicht, ich kann hier aber trotzdem einige coole Spielideen honorieren. Tatsächlich ist das Multiversum mit der Klischee-Japano-Schule als emotionalem Zentrum eine interessante Idee, auch das kartenbasierte Regelwerk und die entsprechenden Probenmechaniken sind mal einen Blick wert. Aber dafür müsste ich zeitlich (wenig intuitiver Einstieg) und finanziell (105,95 € für das Schuber-Kombipaket plus gut 25 € für ein Kartenset) mehr in das Rollenspiel investieren, als ich jemals bereit wäre.