Spät-Western gehören ja zu den Subgenres, bei denen der „Splitter Verlag“ (der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte) in schöner Regelmäßigkeit mit interessanten Neuerscheinungen protzt. Man denke beispielsweise an den großartigen Einzelband „Ghost Kid“ (Link) oder an die leider mit jedem Band schlechter werdende „Die Viper“-Reihe (Link). Mit „Wiedersehen mit Comanche“ erscheint nun der nächste Vertreter dieser WildWest-Nische, bei denen ein gealterter Antiheld (oder doch Schurke?) sinnbildlich steht für den Verfall des gesamten Wilden Westens und damit auch des Amerikanischen Traums. 
 

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Cole Hupp, besser bekannt als stark gealterter Revolverheld Red Dust, hat sich zu Beginn der 1930er Jahre im tiefsten amerikanischen Hinterland versteckt. Denn er wird in gleich mehreren Bundesstaaten gesucht, war sein Finger doch früher schneller am Abzug, als gut für ihn war ;-) Aber ganz so erfolgreich ist er dann wohl doch nicht untergetaucht, denn mit ein wenig Hartnäckigkeit hat ihn die hochschwangere Historikerin Vivienne Bosch aufgestöbert. Angeblich nur, um für eine historische Western-Publikation zu recherchieren, aber steckt da nicht vielleicht doch mehr dahinter? Das muss Cole herausfinden, der von seiner Vergangenheit getrieben einem Roadtrip quer durch die Prärie zustimmt, um vielleicht doch nochmal seine unerfüllte Liebe wiederzusehen. Aber so eine Reise ist nicht ungefährlich, denn die durch die Rezession geschwächten USA sind ein hartes Pflaster geworden, bei dem das Blut genauso rasch fließt wie der illegale Alkohol... Zudem werden Bundesagenten auf die beiden Reisenden aufmerksam, welche ihnen genauso im Nacken sitzen wie Naturkatastrophen, welche den eh schon unwirtlichen Wilden Westen noch unwirtlicher machen.
 

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Ich könnte jetzt viel in „Wiedersehen mit Comanche“ hineininterpretieren, irgendwas mit Kapitalismus, gesellschaftlichen Spiegelbildern, altersbedingtem Umgang mit Schuld und natürlich mit allerlei Metaphern. Aber das muss ich gar nicht, denn wer sich für diese Western-Nische interessiert, der weiß ja am Ende eh schon, worauf das alles hinaus läuft: Wildheit mag es im Westen noch geben, aber die Zeiten von Freiheit und Glück sind durch die Gier der kapitalistischen Städter aufgefressen. Also kommen wir direkt zum Highlight, nämlich den Zeichnungen von Romain Renard, der sich auf für die Texte verantwortlich zeigte. Das ist alles grau, also wirklich grau-in-grau, und deswegen mega depressiv. Und genau deshalb ist es auch ungemein atmosphärisch – So gut hat ein Zeichenstil noch nie zu so einem Genre-Werk gepasst! Gerade auch, dass die Hintergründe absolut detailreich und natürlich wirken (quasi wie die alten Western-Filme, die sich Cole und Vivienne zwischendurch mal angucken), während die etwas detailärmeren Figuren wie Fremdkörper wirken, gibt dem 152 Seiten dicken Comicband einen ganz eigenen und ganz hervorragenden Look. Daumen hoch und ein extrem positives...

Fazit: Allein wegen der atmosphärischen Zeichnungen ist „Wiedersehen mit Comanche“ (Link) bereits eine Empfehlung. Dass die Geschichte dann auch noch ziemlich gut ist, ist quasi nur noch das i-Tüpfelchen. 

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