Wie viele Comic-Reihen kennt ihr eigentlich, deren Fortsetzungsbände nicht nur das Niveau halten, sondern die sogar die Qualität steigern? So viele gibt es da nicht, doch der Fliegercomic „Liberty Bessie“ gehört überraschenderweise dazu. Denn war der erste Zweiteiler (Link) „nur“ eine sympathische Abenteuergeschichte, bei der sich Bessies Wunsch zu Fliegen mit ein paar Schmugglerei-Momenten und der klischeemäßigen Suche nach den eigenen Wurzeln aufgelockert wurde, ging es im Auftaktband der Fortsetungsdilogie plötzlich um den gar nicht mal so kalten Krieg zwischen Ost und West, welcher stellvertretend durch Geheimagenten und Spioninnen in Äthiopien ausgetragen wurde. Und die Bessie ist wie immer mitten drin :-)
Die junge PoC-Pilotin Bessie, welche wegen ihrer Hautfarbe und auch wegen zu viel männlicher Konkurrenz in den USA nicht zum Fliegen kommt, hat sich mittlerweile in Äthiopien ein kleines Transportgeschäft aufgebaut. Quasi als Bonus wird sie immer mehr von den Sowjets eingespannt, die gerade eine Ausbildungsmission für die in der Entstehung befindliche äthiopische Luftwaffe durchführen. Und da kommt Bessie gerade recht, denn denn sie ist nicht nur eine wirklich gute Pilotin, sondern eben auch noch schwarz – Und damit ein absolutes Propaganda-Goldstück. Was natürlich wiederum den USA nicht gefällt, denn die mögen zwar keine emanzipierten PoC-Frauen, aber noch weniger eben US-Bürgerinnen im Dienste des Feindes. Also kämpfen beide Seiten mit allen Mitteln um Bessies Loyalität, die eigentlich nur ihrem Traumjob nachgehen will...
Wie schon der Vorgängerband und auch die Vorgängerdilogie (Link) kann man auch diesen Comic als ungemein sympathisch beschreiben. Die Protagonistin ist liebenswert, die warm kolorierten Zeichnungen sind hübsch und die Geschichte ist spannend genug, dass man doch mit großen Interesse weiterblättert. Sicherlich kommt auch dieser vierte Band nicht an die Comic-Klassiker des Spionage-Genres heran, aber man hat beim Lesen einfach ein gutes, positives Bauchgefühl. Minimale Schwächen im Erzählfluss und als überraschende Plot-Twists getarnte spontane Charaktermomente (etwa ein dramatischer Tod oder ein eher pädagogisch wirkender Gefühlsausbruch, dass die Sowjetunion auch nicht das Land der absoluten Gleichheit ist) haben mich manchmal trotzdem kurz skeptisch die Augenbraue heben lassen, aber letztlich muss man hier einfach zugestehen, dass „Liberty Bessi“ eine der besten Fliegercomic-Reihen ist, die der „Splitter Verlag“ (der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat) im Portfolio hat.
Fazit: Wie alle anderen Bände zuvor ist auch „Liberty Bessie #4 Afro-Amerika“ (Link) wieder ein ungemein sympathischer Fliegercomic.
