Was sagt Ralf Sandfuchs die ganze Zeit in unserem Podcast? „Dann steh ich auf und gehe“ – Ja, ich wette mit euch, der alte Brummbär wäre bei „DARC“ blitzschnell verschwunden. Und was bedeutet das? Genau, umgekehrt ist das ein Rollenspiel, bei dem man mich nicht mal mit Gewalt vom Spieltisch entfernen könnte ;-) Vom Grundregelwerk war ich schwer begeistert, nun flatterte ein Rezensionsexemplar der ersten Kampagne in meinen Briefkasten. Mal schauen, ob ich da daran ebenso viel Freude haben werde...
Über „DARC“ an sich muss ich glaub ich gar nicht viel schreiben, denn unabhängig von meiner Rezension des Grundregelwerks (Link) hat das System in deutschsprachigen OSR-Kreisen (zumindest wenn ich mein entsprechendes Umfeld als Maßstab nehme) ordentlich Wellen geschlagen. Das lag nicht nur am funktionierenden W20-Unterwürfel-System und dem massiv dicken Regelbuch (348 farbige Seiten im Hardcover machen mindestens 1W6 Wuchtschaden), sondern auch an der an ein Miniaturen-Spiel erinnernden Präsentation, die voller Stolz sagte „druck dir die Battlemaps aus und pack da bemalte Figürchen drauf, das kommt richtig geil“. Und um jetzt die Einleitung nicht unnötig aufzublähen: „Vom Ende der Hoffnung“ bietet einfach viel mehr vom Altbekannten!
Die 76 Seiten starke Kampagne, natürlich wieder im Hardcover mit Lesebändchen, setzt sich aus drei Einzelabenteuer zusammen, welche für Charaktere der ersten bis dritten Stufe gedacht sind. Nach 25 bis 50 Spielstunden (so zumindest die Angabe des Verlags) ist man dann nicht nur bis auf Stufe 5 aufgestiegen, man hat auch einen echten Engel niedergemetzelt! Aber ich greife vor, erst einmal geht es in Die Hand des Heiligen recht beschaulich zu. Absolute Helden-Neulinge sollen eine heilige Reliquie aus einer Ruine bzw. einem Dungeon bergen. Soweit so unspektakulär, aber eben der Auftakt für eine spannende Kampagne, die mit Der Asche entgegen einmal quer durch den Grimmenwald und den Reissdorn führt. Das ist dann ein typisches Reiseabenteuer, bei dem man den Weg halbwegs frei wählen kann, um währenddessen mehrere Begegnungen und Abenteuerchen zu erleben. Zugegebenermaßen gibt es nur zwei realistische und sich teils auch überschneidende Routen, also ist man jetzt nicht ultra-frei in seiner Wegfindung (siehe dazu das Foto mit der Spielleitungskarte), aber dafür gibt es zusätzlich die Option auf einen kleinen, aber feinen und wunderbar düsteren Dungeon. Aber das sind am Ende ja alles nur Aufwärm-Abenteuer für das große Finale, welches für eine so eine niedrige Stufe schon außergewöhnlich ist. Und ja, man kann „DARC“ nicht 1:1 mit D&D vergleichen, aber woanders haut man mit Stufe 3 oder 4 nur ein paar Orks oder einen Eulenbär um, während man in Der Berg des Wahnsinns einem leibhaftigen Engel nebst Dämonen-Leibwache in einer mehrstufigen Schlacht gegenüber tritt! In den Wolken! Während Feuerbälle auf die Charaktere niederprasseln!
Autor Christian Kennig hat sich hier nicht lumpen lassen, ein paar wirklich denkwürdige Momente zu erschaffen, die mit magischen Psycho-Spielchen auch über bloße Kämpfe hinausgehen. Und eigentlich könnte ich das schon als Fazit nutzen, um nicht mehr vom Inhalt zu spoilern: „DARC: Vom Ende der Hoffnung“ (Link) ist eine tolle Kampagne für ein tolles Rollenspiel, welche durch verschiedene Spielelemente (Reisen/Erforschen, Sozialspiel & natürlich Kämpfe aller Art) immer wieder für Abwechslung sorgt. Schön sind dabei das Erzähltempo und die Dramaturgie, denn die Bedeutung der Kampagne (oder wie man so schön sagt, die Epicness) steigert sich von Stunde zu Stunde. Christian hat hier einfach wirklich viel Abenteuer-Erfahrung und noch mehr Herzblut hineingesteckt, was man auf jeder Seite merkt. Daher gibt es, wie schon beim Grundregelwerk, wieder eine dicke Empfehlung, wenn ihr Rollenspiel so spielt, wie ich es spiele ;-)
