Ich bin nicht die Wikipedia und habe auch keine Kunstgeschichte studiert, daher kann ich euch jetzt keine trennscharfe Definition von Erotik und Pornografie geben. Nein, ich kann mich daher nur (um hier mal das wilhelminische Mindset zu triggern) auf das „gesunde Volksempfinden“ verlassen. Und das ist, und ich spoilere wieder mal die gesamte Rezension, ziemlich eindeutig: „Glow“ wird als erotischer Comic beworben, ist er doch der neueste Vertreter im „Splitternackt“-Imprint des franko-belgischen Comic-Fachverlags „Splitter“. Aber das, was „Glow“ bietet, ist nur auf den allerwenigsten Seiten erotisch, sondern vielmehr plump pornografisch. Denn die Darstellung von (nebenbei bemerkt überraschend variationslosen) Sexualakten steht in dem Werk von Max Sulfur so sehr im Vordergrund, wie es sonst nur bei den kurzen Clips auf bekannten Schmuddelwebseiten der Fall ist...
 

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Und jetzt denkt ihr alle da draußen, dass der Verriss des Jahrtausends kommen wird. Und ja, „Glow: glühend & kurvig“ hat mir in seiner Funktion als plumpe Pornografie nicht zugesagt. Aber, und jetzt wird das ABER sogar groß geschrieben, Max Sulfur hat einen heldenhaften Retter in der Not! Denn Milo Manara kommt quasi mit Pauken und Trompeten angeritten und schreit „Moment! Meine Comics haben zwar eine Handlung, aber das macht es nicht besser, sondern sogar schlimmer!“ – und damit hat er leider recht (Link). Aber vielleicht von vorn: „Glow: glühend & kurvig“ ist ein 56 Seiten starker, episodenhaft erzählter Sexcomic, bei dem es wirklich ausschließlich um die sexuellen Abenteuer von dem Lateinlehrer Markus geht. Der kann eigentlich gar nichts dafür, vor allem will er das auch nicht, aber wie die sexlüsternen Mädels halt so sind, machen sie sich gleich rudelweise über ihn her. Und auch wenn sich immer wieder um unterschiedliche junge Frauen handelt und die auch in unterschiedlicher Anzahl am Liebesspiel teilnehmen, passieren immer wieder die genau drei gleichen Dinge: Hoden werden malträtiert, Polöcher geliebkost und Samen verspritzt. Und ja, immer und immer wieder, hier gibt es in jeder Kurzgeschichte keinerlei Varianz. Von Manaras teils schauderhaften Machwerken hebt sich dieser Comic dabei aber immerhin dadurch positiv ab, dass er auch nicht-normschöne Körperformen darstellt (wobei die Frauen hier allesamt immer noch wunderschön sind, aber sie haben halt nicht diesen grässlichen heroin-chic von Manara) und dass – bei all den problematischen Implikationen wie etwa das Schülerinnen-verführen-Lehrer-Klischee – hier das Machtungleichgewicht prinzipiell zuungunsten des Mannes ausgeht. Das täuscht nicht über den mangelnden Consent hinweg (der natürlich wieder nachträglich impliziert wird, weil sich das Opfer – also Markus – ja fügt und mit Orgasmen belohnt wird), ist aber doch in dieser Ausdrücklichkeit ein Ausnahmefall bei „Splitternackt“-Comics.

Nun könnte ich hier die Rezension abschließen, würde vielleicht noch dem „Splitter Verlag“ für das Rezensionsexemplar danken und auch die Zeichnungen wohlwollend erwähnen, und dann wäre dieser Artikel auch schon erledigt. Aber Sulfur schiebt zwischen die Kurzgeschichten immer noch kleine 1-Seiten-Comics ein, welche in ihrer Geschmacklosigkeit dann doch wieder auf Manara-Level sind. Es handelt sich hierbei um fiktive Werbecomics für das „Sex Toy Set Total Control“, mit welchem man arglose männliche Opfer zu willenlosen Sexobjekten umfunktionieren kann. Bei einem Comic, der nicht „Splitternackt“ wäre, würde ich hier vielleicht sogar auf eine zugegeben arg düstere satirische Auseinandersetzung mit Vergewaltigungsdrogen tippen, bei denen die Rollen halt pseudo-feministisch vertauscht wurden. Aber ich will ehrlich sein, nach all dem, was ich hier gelesen habe, halte ich Max Sulfur nicht unbedingt für einen feministischen Feingeist. Das hier sind auf jeweils eine Seite eingedampfte „Milo Manara“-Geschichten, nur eben mit vertauschten Rollen und hübscheren, wenn auch erschreckend trostlos kolorierten Zeichnungen. Und so kann ich auch für diesen „Splitternackt“-Titel leider keine Empfehlung geben.

Fazit: Ach, es hätte so schön sein können, mal einen sexpositiven Comic mit nicht-normschönen, nicht als Opfer dargestellten Frauen zu lesen. Aber Max Sulfur kann zwar nett zeichnen, aber hat überhaupt kein Gespür für Geschichten, sodass „Glow: glühend & kurvig“ (Link) einfach nur pure Pornografie ohne jeglichen Mehrwert ist. Schade!

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