Wenn der „Splitter Verlag“, der erneut so mutig war mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen, mal wieder einen Comic aus seinem „Splitternackt“-Imprint ankündigt, dann schlagen direkt zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits frage ich mich, wie sehr das Renommee dieses Spitzenverlages wieder leiden wird, und andererseits freue ich mich darauf, endlich mal wieder meinen gesamten Lebensfrust loswerden zu können. Denn sind wir ehrlich, mal so eine richtig gepfefferte Rezension schreiben, die dann auch noch krass Klicks zieht, hat ja schon so etwas kathartisches ;-)
Ein zuverlässiger Garant für Verriss-Material ist dabei der italienische Comic-Künstler Milo Manara, der aber auch durchweg misogynen Scheißdreck produziert. Und ja, ich weiß, theoretisch kann er richtig zu zeichnen (was seine Nicht-Sex-Comics wie etwa zuletzt das Historien-Epos „Caravaggio“ (Link) beweisen) und ich weiß auch, dass seine Sex-Comics irgendwie einer Mischung aus Pulp- und Dark-Romance-Genre zuzuordnen sind, was ja gerade voll im Trend ist, weil irgendwie alle da draußen sehr gern romantisierte Vergewaltigungen lesen. Aber nichtsdestotrotz, ich werde mich hier nicht für die Geschmacksverirrungen einer ganzen Generation verbiegen, also gehen wir mal direkt rein in die dunklen Spiele des Milo Manara. Der 96 Seitige Band enthält zwei Kurzgeschichten sowie ein Vorwort, welches direkt den Ton vorgibt, weil Milo (zum Zeitpunkt des Vorworts schon gut im Rentenalter) nämlich gern mal junge, fremde Frauen begafft, die daran aber auch selbst schuld sind, weil sie sich ja auch so anziehen, dass man sie halt angucken muss. Was zum Fick?
Und mit dieser Art der Schuldumkehr geht es dann auch direkt los, denn in der ersten Geschichte „Verhängnisvolles Rendezvous“ wird einer Ehefrau ihr Wunsch nach Luxus zum Verhängnis. Denn ihr Ehemann möchte eben diesem Wunsch entsprechend, verzockt sich dabei aber hart und wird am Ende noch nicht einmal Politiker, sodass er sich das Luxusgeld für den schmalen Zinssatz von lächerlichen 300% bei fiesen Typen holt. Und die sind nicht zimperlich, sondern vergewaltigen seine Frau jeden Tag pünktlich 18 Uhr, bis er scheine Schulden zurück zahlt. Und egal wo die Frau dann ist, ob sie in der Öffentlichkeit vor Zeugen Schutz sucht oder ob sie aufs Land flieht, Punkt 18 Uhr steht ihr Vergewaltiger vor der Tür... Und nun könnte man ja sogar noch einwenden, dass diese Geschichte dem „Rape & Revenge“-Genre zuzuordnen wäre, weil sie am Ende ihre Rache bekommt, aber dem ist tatsächlich nicht so. Hier fehlt nämlich, so viel Spoiler muss sein, das feministische Element der Selbstermächtigung, stattdessen wird es sogar ins Gegenteil verkehrt.
Nun bin ich mir nicht sicher, ob ich die zweite Geschichte „WWW - Drei Frauen im Netz“ sogar noch ein wenig schlimmer findet oder nicht, immerhin wird hier zumindest oberflächlich mit den Thema der weiblichen Selbstermächtigung gespielt, auch Milos Interpretation davon schon abenteuerlich ist. Aber von vorn: Zwei junge Frauen hausen in einer mit einer Kamera ausgestatteten WG in Venedig, welche aller 20 Sekunden ein neues Foto in das Internet hinaus sendet. Dafür, dass sie dort wohnen dürfen, sollen sie entsprechend heißes Material liefern, was zumindest für eine von den beiden Damen auch ziemlich unproblematisch ist. Dann wird die traute Zweisamkeit aber erschüttert, als deren Schwester Zuflucht vor ihrem übergriffigen Exfreund sucht, der sie permanent mit Machtspielchen gedemütigt hat. Aber kein Problem, die Schwester ist genauso zeigefreudig, also passiert ne Menge (teils inzestuöser, WTF?) Nackedei-Action, bevor eben jener Exfreund ebenfalls die WG findet, der natürlich direkt mit den sexuellen Übergriffen beginnt. Aber der wird dann mit einer Überdosis Viagra vergiftet (was toxikologisch betrachtet durchaus möglich ist, aber nicht so, wie es der Comic darstellt) und aus dem Fenster geworfen... Einiges Hin-und-Her später ist dann alles wieder gut und die nun Dreier-WG erfreut sich weiter an ihrer Sexcam-Arbeit.
Was zum Fick? Also ehrlich, wie kann Milo Manara ernsthaft glauben, dass das gute Geschichten sind? Und wie kann der „Splitter Verlag“ das diese Vergewaltigungsphantasien als erotisch verkaufen? Alle Beteiligten an diesem Projekt sollten sich schämen, dass sie hier dran mitgewirkt haben, und jede und jeder (vermutlich vor allem „jeder“), der auch nur im Erwägung zieht dieses Machwerk zu kaufen, sollte sich mal fragen, ob er 25 € für diesen Comic nicht eher an ein Frauenhaus spendet.
Fazit: Was für ein misogynes Machwerk „Dunkle Spiele“ (Link) ist, selbst für Manaras Verhältnisse, will ich hier am Ende noch mit einer kurzen Anekdote untermauern. Normalerweise lese ich diese „Splitternackt“-Bände und schreibe direkt meine Rezension, weil die Eindrücke noch frisch sind. Hier aber musste ich den Comic erst zwei Tage liegen lassen, um mich seelisch wieder zu fangen, weil das einfach noch einmal eine Spur krasser und zynischer ist als alles, was ich bisher aus dem angeblich erotischen Imprint gelesen habe. Und wenn man bedenkt, dass sich diese „Splitternackt“-Titel wahnsinnig gut verkaufen, dann darf man schon so ein wenig an der Menschheit zweifeln...
