Was ist eigentlich das kürzeste Gesellschaftsspiel der Welt? „32, heb auf!“ (Link) käme mir da in den Sinn, aber da das ja mehr ein Scherz ist und weniger ein echtes Kartenspiel, wird wohl „Light Speed Arena“ diese Auszeichnung erhalten... Denn dieses im allerersten Moment an „X-Wing“ (in dem ich mal für 1 oder 2 Wochen der 11.-beste Spieler in ganz Deutschland war, lang ist das her...) erinnernde Pappplättchen-Geschicklichkeitsspiel, bei dem man möglich schnell möglichst präzise und auch noch möglichst taktisch bis zu acht Raumschiffe auf Rohstoffjagd schickt, ist in knapp einer Minute durchgespielt. Okay, dann kommt noch die mehrere Minuten lange Auswertung, aber da die vollständig über eine Handy-App läuft, zählt das jetzt einfach mal nicht ins Narrativ des Ultrakurzspiels ;-)
Okay, also worum geht’s? „Light Speed Arena“, vor knapp zwei Jahren sehr erfolgreich gecrowdfundet, ist nun dank „Pegasus Spiele“ (die mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten) nun auch hierzulande eingedeutscht verfügbar. Zwei bis vier Spielende (oder im Solo-Modus auch nur eine Person) schicken auf einem 75x75 cm großen Spielfeld ihre bis zu acht Raumjäger ins gnadenlose Weltall, um Ressourcen von (normalerweise zwei) herumschwebenden Asteroiden abzubauen. Dies passiert mittels verschieden starker Laserstrahlen, die aber eben nicht nur abbauen können, sondern auch abschießen. Denn gegnerische Raumschiffe- & -stationen sind ebenfalls in der Weltraumarena mit genau dem gleichen Ziel unterwegs...
Ja, theoretisch hat „Light Speed Arena“ so etwas wie ein Regelwerk, bei dem Laserstrahlen verschiedene Stärken haben, die vier Fraktionen über besondere Sonderfähigkeiten (z.B. Schilde, die kompletten Schaden negieren oder Laser, die ihre Ziele durchdringen und dahinterliegende Objekte treffen) verfügen und bei dem mit Werbung zugepflasterte Asteroiden ein paar Extrapunkte bringen. Aber ganz ehrlich? Wer braucht all dieses Wissen denn? Denn das Spiel ist so schnell, so chaotisch und so automatisiert, dass man einfach nur hektisch versucht die Pappplättchen-Raumschiffe irgendwie hinzulegen, damit man sich nach Möglichkeit nicht selbst abschießt ;-)
Denn die simple Spielmechanik funktioniert folgendermaßen: Pappplättchen werden gemischt, dann zählt der Timer runter, und man hat pro Raumschiff exakt 10 Sekunden Zeit, um es irgendwo auf dem Spielfeld zu positionieren. Dabei muss man theoretisch die unterschiedlichen Einheitenwerte beachten (Lebenspunkte, Schildausrichtung, Bewaffnung), aber realistisch betrachtet versucht man einfach nur die Laserkanonen halbwegs korrekt auszurichten. Sind alle der bis zu acht Raumschiffe verteilt, fotografiert man das Schlachtfeld mit der Handy-App, damit diese dann das Schlachtgeschehen automatisch durchrechnet und Punkte vergibt. Zack, 5 Minuten rum, Spiel vorbei... Das ist simpel, aber eben auch spaßig, sodass man „Light Speed Arena“ immer mal wieder gern rausholt, wenn man mal 5 – 10, aber allerhöchstens 20 Minuten Zeit hat, bevor der Lieferdienst eine kalte Pizza vorbeibringt ;-) Das ist wohl der snackigste Spielesnack, den man jemals gespielt haben wird!
Ebenso rasch, aber etwas fordernder ist tatsächlich der Solo-Modus, in dem man vor bestimmte Herausforderungen gestellt wird. Da mutiert das Spiel fast schon zu einem Logikpuzzle, nur eben auf Speed ;-) Ob man dafür dann am Ende wirklich die ungefähr 25 € ausgeben will, die gerade in den verschiedenen Spielefachgeschäften für 46 Pappplättchen plus dünner Anleitung und Gratis-App abgerufen werden? Das muss man wohl für sich selbst entscheiden. Aber immerhin, wer hätte es gedacht, ich gebe doch ein ziemlich positives...
Fazit: „Light Speed Arena“ (Link) ist das wohl beste Simpel-Spiel, welches ich je gespielt habe. Es ist schnell, es ist chaotisch, aber es ist halt auch irgendwie witzig. Vielleicht ist es tatsächlich das „X-Wing“ für die TikTok-Generation...
