In über eine Dekade an Rezensionen hier auf meinem Blog haben sich zwei Konstanten herauskristallisiert, bei der wenige Ausnahmen die Regel bestätigen: Comics aus dem „Splitter Verlag“ rocken, außer sie sind entweder „Splitternackt“ oder „Splitter Double“. Und hier haben wir nun einen Vertreter der zweiten Kategorie, immerhin geschrieben vom chilenischen Kunst-Vielschaffenden Alejandro Jodorowsky (Link), von dem ich ungelogen noch nie einen Film gesehen und noch nie einen Roman oder Comic gelesen habe – Bis jetzt! Herrjemine, hätte ich das mal lieber gelassen...
 

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Der Weltraum, unendliche Weiten. Dies sind die Geschichten von Xar-Cero, dem besten Arena-Kämpfer in der ganzen Galaxie. Die sieben Magno-Bankiers beherrschen eben jene Galaxie und haben noch eine Rechnung mit einem säumigen Schuldnerplaneten offen, weshalb sie den Protagonisten direkt aus einem Arenakampf entführen, um ihm dann für abnormal viel Reichtum ein Exempel statuieren zu lassen. Leicht verdientes Geld, denn Xar-Cero muss einfach nur eine Bombe platzieren, die dann direkt mal den kompletten Planeten ausrottet, und das findet er hinterher plötzlich gar nicht mehr so toll. Aber sein Aufbegehren wird im Keim erstickt, denn mit gelöschtem Gedächtnis wacht er in einer Mittelalterwelt als Wunderarzt auf (wo er direkt mal einen Tumor auf einem Feldweg wegoperiert, weil er halt der krasseste Typ überhaupt ist). Alles könnte so schön sein, würde nicht ein feiger Rebell direkt aus dem Weltraum quasi vor seine Füße fallen, verfolgt von Gesetzesschergen, die sowohl Xar-Cero als auch seinen Rebellen-Patienten in die Sklaverei verkaufen. Dort verliebt er sich in die Nichte des bösen Gouverneurs, die auch irgendwie in ihn, aber bis sie ihre toxische Beziehung ausleben können, muss er erst einmal fliehen, ein Piraten- & Rebellennetzwerk gründen und seine Angebetete höchstselbst versklaven... Dies Das, irgendwann weiß er auch wieder wer er ist, am Ende gibt es als Belohnung noch Superkräfte plus Absolution plus Reichtum plus Regierungsamt. Und vielleicht, aber nur vielleicht, ist seine Beziehung nicht mehr toxisch ;-)
 

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Kosmopiraten“ ist ein wilder Ritt quer durch alle möglichen SciFi- und generell Phantastik-Klischees, bei denen es zwar angeblich eine zusammenhängende Geschichte gibt, bei denen es sich aber eigentlich nur um eine Aneinanderreihung von Kurzepisoden handelt, welche der Autor vermutlich als jeweils coole oder witzige Momente verstanden wissen wollte. Beispielsweise braucht Xar-Cero für die Rückgewinnung seines Gedächtnisses eine goldene Zauberschildkröte, die von ekligen Spinnen bewacht wird. Die wollen ihn im Tausch dafür lediglich anknabbern, das ist auch okay für ihn, aber dann haben sie nur grüne Schildkröten, denn die einzige goldene gibt es auf der anderen Seite des Planeten. Okay, also ab dafür, aber da stehen dann unzählige Wachen im Weg, die ihn aber trotzdem durchlassen, weil er sich der Probe ihrer heiligen Schildkröte stellen muss. Auch gut, Probe gelungen, und dann will die Schildkröte nach getaner Gedächtniswiederherstellung einfach mal mitkommen. Was macht also Xar-Cero? Einfach mal sinnlos alle Wachen abschnetzeln, obwohl die Schildkröte ja eh reden kann und die Wachen ihre alle Wünsche erfüllen (also auch, dass sie wegfliegen darf) – Vielleicht gibt es WIRKLICH einen Grund, warum das alles genau so abläuft, wie es eben abläuft. Und vielleicht gibt es auch eine sinnvolle Erklärung, warum die Mittelalterwelt (und damit auch Xar-Cero, der ja glaubt, dort herzukommen) nicht völlig ausrasten, als Raumschiffe & Roboter kommen, um den Rebellen zu fangen. Und vielleicht ist die Liebe zwischen der Gouverneurs-Nichte und dem Protagonisten sogar wahrhaft echt... Aber das wird einfach nicht erklärt, denn hier wird nichts erklärt! Es folgt nur Mini-Episode auf Mini-Episode – Ganz ehrlich, ich fühlte mich wie bei den „Rebel Moon“-Filmen von Zack Snyder. Der glaubt nämlich auch, dass er ein wahrhaft Genre-umwälzendes SciFi-Charakterdrama-Epos erschaffen hat, aber in Wahrheit war es nur eine schier endlose Aneinanderreihung von hübschen Bildern - Und das sage ich als Snyder-Fan, der "Watchmen" und seinen "Justice League"-Cut für die besten Genre-Filme aller Zeiten hält.
 

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Dieser seelenlose, oberflächliche und dummdreiste Comic hat mich aufgeregt, also wirklich so aufgeregt, dass ich dieses immerhin 144 Seiten dicke Machwerk mehrmals gegen die Wand werfen wollte. Da hat man schon mit Pete Woods einen begabten Zeichner, der sich in einer phantasievollen Welt austoben darf, und dann muss er so eine grottige Geschichte bearbeiten – Kein Witz, ich mag ja keine generative KI, aber selbst der allerbilligste Prompt mit irgendeiner kostenlosen KI hätte mir eine bessere Geschichte ausgespuckt. Dass der „Splitter Verlag“, der mir mutigerweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte, hier werbend von einer „grandiosen Space-Opera“ mit einer „eindringlichen Geschichte einer intimen Vendetta, die Raum, Zeit und jegliche Vorstellungskraft sprengt“ spricht, empfinde ich als Verhöhnung der ihr hart verdientes Geld ausgebenden Lesenden! 

Fazit: Ja, bestimmt gibt es dieses Jahr noch irgendeinen „Splitternackt“-Tiefpunkt, aber zweifelsohne ist „Kosmopiraten“ (Link) erzählerisch bisher mit weitem Abstand der schlechteste Comic dieses Jahres, und ich glaube fast, diese Grütze kann man 2026 nicht mehr unterbieten.