Es gibt Comics, die fesseln die Lesenden wegen ihrer Spannung, ihrer gesellschaftlichen Relevanz oder wegen ihrer krassen Plot-Twists. Und dann gibt es Comics, die nichts davon enthalten, die aber mich als Lesenden emotional so berühren, dass ich sie trotzdem phantastisch finde – Und das ist besonders dann hervorhebenswert, wenn sie aufgrund eines Themas berühren, welches mich eigentlich nicht betrifft.
Mein Kontakt mit Hunden etwa ist recht eingeschränkt. Ich mag Hunde sehr, aus organisatorischen Gründen hatte ich aber nie einen eigenen (der kleine Philipp war darüber auch immer sehr traurig, der große Philipp ist froh, weil 3-Schicht-System plus Mini-Wohnung nicht kompatibel mit einem Hund sind). Und doch verstehe ich durchaus, wie sehr man emotional an so einem Tier hängen kann, gerade man das gesamte Leben miteinander verbringt. Und genau darum geht es dann auch in „Sein Geruch nach dem Regen“, einer überaus hübsch gezeichneten Comic-Adaption, basierend auf der ausgesprochen lobend rezipierten Hundebiografie von Cédric Sapin-Defours. Der beschreibt dort das gesamte Leben seines Berner Sennenhundes Ubac, von der ersten Kontaktaufnahme kurz nach der Geburt über die gemeinsame emotionale Annäherung (und all den privaten Rückschlägen, die Cédric deswegen einstecken muss, etwa den Verlust der Wohnung) bis hin zur Vergrößerung der Familie durch Cédrics neue Freundin und noch mehr Hunde, sowie letztlich Ubacs Tod.
Ein ganzes Hundeleben voller Liebe und Ehrlichkeit, mit all den üblichen großen und kleinen Dramen des Alltags. Wobei Dramen fast schon übertrieben ist, denn bis auf wenige herausfordernde Situationen (etwa Ubacs Not-OP) gibt es hier auf 136 Seiten vor allem eine emotionsgeladene Beschreibung des jeweiligen Ist-Zustands. Das ist, wie bereits erwähnt, oft nicht dramatisch, sondern einfach nur der ganz normale Alltag. Aber Cédric (und der Comic-Adaptierer José-Luis Munuera) erzählen diesen Alltag so nahbar, dass ich irgendwann fast schon selbst Gefühle für Ubac entwickelt habe... Also eine wirklich tolle Ode an die bedingungslose Liebe zwischen Mensch und Tier, die der „Splitter Verlag“ (der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte) hier ins Programm aufgenommen hat. Daher ist es jetzt auch keine Überraschung, es gibt ein sehr lobenswertes...
Fazit: Wer hätte gedacht, dass eine Hunde-Biografie mal einer der emotionalsten Comics des Jahres wird? „Sein Geruch nach dem Regen“ (Link) ist eine wunderhübsche, hochemotionale Romanadaption.
