In den letzten Jahren hat er Begriff „toxisch“ eine nahezu inflationäre Verbreitung gefunden. Selbst wir im Podcast sind darauf angesprungen, beispielsweise ging es gleich in der ersten Folge mit Elea um „toxische Nostalgie“. Und vergangene Beziehungen, die waren sowieso immer toxisch, und der oder die Verflossene verrückt... Aber bei all dem inflationären Gebrauch des Wortes soll nicht davon abgelenkt werden, dass es eben auch wirklich toxische Personen gibt, die ihren Mitmenschen das Leben zur Hölle machen. Über solch eine schlimme Beziehung handelt die Comic-Biografie von Sophie Lambda, die hier auf knapp 300 Seiten den vielleicht wichtigsten „Splitter“-Titel dieses Jahr geschrieben und gezeichnet hat.
 

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Sophie, eine junge Künstlerin ganz am Beginn ihrer Karriere, lernt den charmanten Schauspieler Marcus kennen. Ein absoluter Traummann, der sie zuerst mit Liebesschwüren und Zukunftsplänen überschüttet. Dass er sich komisch verhält, wenn es um seine Ex-Beziehungen geht, erscheint Sophie nicht verdächtig – Wir alle haben doch Exen, denen wir lieber aus dem Weg gehen... Doch als das Glück perfekt erscheint, wandelt sich Marcus immer weiter. Er wird laut, launisch, eifersüchtig, gewalttätig und vorwurfsvoll. Und daran soll ganz allein Sophie die Schuld tragen, die alsbald an sich selbst zu zweifeln beginnt. Ist sie vielleicht wirklich die Täterin und nicht das Opfer? Gerade auch, weil Marcus immer wieder auch seine sanfte, liebevolle Seite zeigt?
 

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„Scheiß auf Liebe: Wie ich eine toxische Beziehung überlebt habe“ zeigt den Aufstieg und Fall von Sophies Beziehung, ihre psychischen Traumata und auch ihre Erkenntnisgewinne und Heilungsprozesse. Das alles auf knapp hübsch und mitunter niedlich gezeichneten 300 Seiten, welche das Geschehen erträglich machen. Und doch gibt es Momente, in denen man den Comic erst einmal kurz beiseitelegen muss, weil man einfach mal durchatmen muss. Die Künstlerin schafft dabei eine gekonnte Mischung aus Biografie-Drama einerseits und leicht zugänglicher Aufklärung andererseits, sodass hier ein ungemein leicht zugängliches Werk entstanden ist. Vermutlich auch deshalb hat der „Splitter Verlag“ (der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte) hier auf das übliche Großformat-Hardcover verzichtet, sondern auf ein kleinformatigeres Softcover gesetzt, welches mehr dem Geschmack der vermeintlichen Zielgruppe entsprechen dürfte... Wobei, dieser Comic ist so richtig und wichtig, eigentlich sollte „Scheiß auf Liebe: Wie ich eine toxische Beziehung überlebt habe“ (Link) für jede und jeden da draußen absolute Pflichtlektüre sein. Was damit auch schon mein ausgesprochen positives Fazit war ;-) 

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