Wenn das Feuilleton – egal ob öffentlich-rechtlicher Rundfunk oder überregionale Tageszeitungen – wieder mal voll ist mit Comic-Rezensionen, dann kann ich mir eigentlich schon sicher sein, dass ich hier einen Comic (und ja, wie hier auch meistens eine Biografie) vor mir liegen habe, der so überhaupt nicht meinen Geschmack treffen wird. Aber wie immer in solchen Fällen werde ich dann meist familiär „gezwungen“, mir auch ein Rezensionsexemplar zur erbitten – Und so war es diesmal meine Schwiegermutter, die sich als knallharter Sissi-Ultra unbedingt durch die 160 Seiten starke Comic-Biografie fräsen wollte. Aber am Ende bin es ja doch ich, der hier in der Familie die Rezensionen schreibt, also schauen wir mal, ob ich mich wenigstens ein ganz kleines Bisschen begeistern konnte...
 

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Rosemarie Magdalena Albach, besser bekannt als Romy Schneider, war eine der einflussreichsten deutschsprachigen Schauspielerinnen des letzten Jahrhunderts. Bekannt wurde sie in ihrer Rolle als Kaiserin Sissi, welche sie in jungen Jahren über drei Filme hinweg verkörperte. Wie viele erfolgreiche Schauspielende lief sie dann in Gefahr, nur noch auf einen bestimmten Rollentyp gecastet zu werden, weshalb sie zeitlebens versuchte, eben jener Sissi-Rolle zu entkommen. Und genau von diesen mitunter krachend gescheiterten Versuchen erzählt diese Biografie, welche sich primär um ihre schauspielerischen Gehversuche und auch privaten Ausflüchte in den 50er und 60er Jahren konzentriert. Dabei merkt man beim Lesen rasch, dass sich der Autor Stéphane Betbeder (der sonst für gaaaaaanz andere Comics bekannt ist, u.a. die Tierschutz-Fabel „Die Arche Neo“ (Link) und diverse Phantastik-Abenteuer) durchaus tief in die Materie eingearbeitet hat. Für mich als Romy-Nichtkenner vielleicht etwas zu tief, denn hier werden den Lesenden Namen und Filme um die Ohren gehauen, als ob es kein Morgen gibt. Das zeugt, wie auch die Zeichnungen, von einer enormen Detailversessenheit, schrammt für mich persönlich aber immer an der Grenze zum Fakten-Overkill entlang. Dass dann auch noch Hitler auftritt, der aber völlig kontextlos quasi als arg ausgewalzter Nebensatz thematisiert wird, ist symptomatisch für diesen Comic. Denn ja, es gibt durchaus gute Gründe, dieses Fass aufzumachen, aber mir als Laien wird nicht vermittelt, warum es aufgemacht wird. Und das ist schade, denn so funktioniert diese Biografie eben nur für Romy-Ultras aus dem Feuilleton (also die, die die ganzen Lobeshymnen-Rezensionen schreiben), während durchschnittliche Filmfans oder auch nur Sissi-Lieblingsfilm-Guckende hier rasch in die Röhre schauen. Schade :-(
 

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Fazit: „Romy Schneider: Ich bin nicht mehr Sissi“ (Link) ist nicht nur hübsch gezeichnet, sondern auch unglaublich detailreich, verschließt sich dadurch aber dem Mainstream-Publikum. 

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