Erst gestern habe ich den französischen Erotik-Künstler Axel wieder mal gelobt, weil seine Comics es schaffen (im Gegensatz zu den allermeisten anderen „Splitternackt“-Comics), authentische Darstellungen mit glaubwürdigen Emotionen und zumindest dem Hauch von Tiefgängigkeit zu verbinden. Und das alles, ohne wie sein deutlich berühmterer Kollege Milo Manara in misogyne Altherren-Gewaltphantasien abzudriften. Allein dafür gebührt Axel schon Lob, aber das ist erst der Anfang, denn mit „Eine Ewigkeit zu Zweit“ hat er nun einen Erotik-Comic geschaffen, der mich tatsächlich emotional berührte.
Marc und Chantal, beide „in den besten Jahren“, sind seit rund 2 Jahren ein Liebespaar. Während es für sie eine offizielle Beziehung ist, hält sich Marc eher bedeckt. Niemand in seiner Heimat weiß von seiner Beziehung. Doch dann stirbt sein Vater, entsprechend muss der Nachlass vor Ort geregelt werden – Und das ist die Gelegenheit, um nach langer Zeit mal wieder Personen aus der Vergangenheit zu treffen. Da ist etwa seine Nachbarin und Kindheitsfreundin Alice, die mehr als offensichtlich ein Auge auf ihn geworfen hat. Und in seiner Phantasie kann er sich tatsächlich eine Beziehung mit ihr vorstellen, doch dann ist da eben auch noch Chantal...
Ein Mann kurz vor der Midlife-Crisis, hin- und hergerissen zwischen der ungewissen Zukunft mit seiner unerfüllten Jugendliebe und einer bestehenden, stabilen Beziehung. Ein Szenario, welches so oder so ähnlich jeden Tag vorkommt, nicht nur in Frankreich, sondern weltweit. Dieses Story-Konzept „Sicherheit versus Neuheit“ zieht sich dabei sogar über zwei Ebenen, denn neben der Liebesgeschichte geht es auch um Heimatverbundenheit und die Frage, was mit seinem Elternhaus – und damit letztlich seiner Kindheit und seinem Lebenswerk – geschehen soll. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum ich so an „Eine Ewigkeit zu Zweit“ emotional andocke. Das haben wir alle doch schon mal so oder so ähnlich selbst erlebt, und eben darum ist man trotz der Kürze des Comics (gerade mal 64 Seiten) vollkommen in die Geschichte investiert – So sehr, dass die wie immer hübsch gezeichneten und sehr authentisch wirkenden Sexszenen fast schon stören, auch wenn mitunter kleine Gesten bereits zur Charakterisierung der Figuren beitragen.
Fazit: Manchmal werde ich ja gefragt, warum ich mir immer wieder mal Rezensionsexemplare des Erotik-Imprints vom „Splitter Verlag“ schicken lasse, wenn ich am Ende doch immer nur Verrisse schreibe. Dabei ist die Antwort doch relativ offensichtlich, denn zwischen all dem Manara-Schmutz gibt es auch immer wieder echte Edelsteine, die umso deutlicher glänzend hervorstechen. Und „Eine Ewigkeit zu Zweit“ (Link) ist so ein Edelstein. Nein, sogar noch mehr, es ist der Edelstein. Kein „Splitternackt“-Comic hat es jemals geschafft, mich auch nur halbwegs so sehr emotional in die Geschichte zu investieren. Und deswegen ist das hier der ultimative Tipp, wenn man mal einen franko-belgischen Erotik-Comic ausprobieren möchte. Besser wird es vermutlich nie mehr!
