„Schuster, bleib bei deinen Leisten“ ist vermutlich eine ziemlich arrogante Aussage von jemandem, der schon an zweiseitigen Kurzgeschichten oder einem Strichmännchen scheitert. Und doch kam mir dieser Gedanke beim Lesen von „Der Liebesdieb“, einer Comic-Adaption des Romans von Richard Malka, einem der führenden Anwälte Frankreichs, gerade wenn es thematisch um Medienrecht, Meinungs- und Religionsfreiheit geht. Hier vermischt Malka nämlich Dracula mit „Das Parfum“, was – zumindest in der vorliegenden Comic-Adaption, die mir der „Splitter Verlag“ dankenswerterweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte – ziemlich leidlich funktioniert. Aber immerhin sieht es schön aus ;-)
 

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Aber beginnen wir ganz von vorn, nämlich mit der Vorstellung des mörderischen Protagonisten. Adrian, geboren im Venedig des 17. Jahrhunderts, wird als drittes Kind einer leidenschaftslosen Ehe gestraft mit Liebesentzug. Aber er verzehrt sich so sehr nach Emotionen, dass er eine vampirische Kraft entwickelt, die seine Sinne optimiert, seine Kraft & Schnelligkeit verbessert und letztlich sogar für Unsterblich sorgt. Die Opfer sind kurz glücklich, fallen dann aber in eine emotionale Leere, die alsbald mit dem Tod endet. Und so küsst und damit mordet sich Adrian einmal quer durch die Weltgeschichte, von der französischen und russischen Revolution über die Nazi-Zeit bis hin zur Gegenwart. In eben jener will er seinem Leben dann endlich mal ein Ende setzen, doch im entscheidenden Moment wird er von der gescheiterten Ballerina Anna gerettet. Auch die verliebt sich natürlich in ihn und erfährt, weil er sich ihr körperlich entzieht, nach und nach von seiner Vergangenheit. Das zieht sich über 200 Seiten hinweg, bevor Adrian und Anna sich klar werden, wie sie denn nun mit ihrer Situation umgehen wollen.
 

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Zugegeben, diese inhaltliche Zusammenfassung war etwas salopp und lustlos. Aber das passt ganz gut zu dieser Geschichte, die mich so gar nicht befriedigt hat – Hätte ich mal den Adrian geküsst, denn der kommt mit einer Befriedigungsgarantie ;-) Wir haben hier einen Protagonisten, der sich im Selbstmitleid suhlt, aber es auch irgendwie ganz geil findet Leute umzubringen (sowohl aktiv mit Gewalt als auch „passiv“ durch Küsse) und eine Love-Interest-Nebenfigur, die gekonnt alle Red-Flags ignoriert. Und das über wahnsinnig langweilige 200 Seiten. Im Prinzip ist das wieder dieser typische belanglose Alternate-History-Urban-Fantasy-Mischmasch, den ich so nur von franko-belgischen Comics kenne. Selbst Nazis kommen vor, um mal das Klischee abzuhaken, und hier macht es sich Malka dann natürlich auch ganz einfach, denn jeder noch so böse Bösewicht wird automatisch ein Guter, wenn er ein paar Nazis killt. Also versteht mich nicht falsch, Nazis killen ist immer gut, aber das mal über drei Seiten zu machen und noch ein paar Dollar an die Armen zu spenden (die man dann eine Nacht später totküsst), verwandelt ihn trotzdem nicht sympathischen Protagonisten. Aber eben jenen braucht man halt, damit ich mich emotional in die Liebesgeschichte investiere.
 

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Und so bleibe ich vollkommen ratlos zurück. Ja, das ist alles ist mega hübsch gezeichnet und wird als massives Hardcover sicherlich ins Regal vieler Fans von franko-belgischen Comics wandern. Aber inhaltlich ist das einfach nichts. Es mag sein, dass der Roman hier differenzierter geschrieben ist (wobei der im französischen Original, je nach Edition, sogar weniger Seiten hat als der Comic), aber ich betrachte den Comic an sich und da gibt es ein überraschend negatives...

Fazit: „Der Liebesdieb“ (Link) erzählt die Geschichte eines Fantasy-Massenmörders, den ich aber irgendwie gut finden soll, weil das der Autor halt so will. Ich will das aber nicht. Und ich will auch diese Geschichte nie wieder lesen. Und ihr solltet das auch nicht tun. 

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