Schon mal beim 1. Date gemerkt, dass man ihn/sie/them heiraten will? Oder noch vor der Probefahrt gemerkt, dass das nächste Auto wird? Oder beim ersten Durchblättern des Regelwerks gemerkt, dass man hier ein Rollenspiel vor sich hat, welches man dieses Jahr hoch und runter spielen wird? Denn genau so ging es mir bei „Mini D20“, dem neuen leichtgewichtigen OSR-Regelwerk von Sebastian „Seba“ Hahn, den man primär als Co-Autor des großartigen Blogs KritischerFehlschlag.de kennt. Also gehen wir direkt rein in meine, soviel Spoiler muss sein, sehr begeisterte Rezension.
 

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„Mini D20“, mit allem Kram drumherum (also Lizenzvereinbarungen etc.) läppische 42 Seiten dünn, ist ein ausgesprochen leichtgewichtiges und dabei doch komplettes Rollenspiel-Grundregelwerk, welches sogar noch die Genre-Klassiker wie AD&D hinter sich lässt. Nach einem einseitigen Vorwort und einem Inhaltsverzeichnis geht es ohne Umschweife los mit je einer Seite für die Spielregeln (1W20 + Boni gegen Schwierigkeitsgrad, wie immer ist die 1 sehr schlecht und die 20 sehr gut) und einer weiteren Seite für die Kampfregeln (1W20 gegen Rüstungswert, kommt man mit Boni auf 20+ ist das gut, würfelt man eine 20 ist das noch viel besser). Wichtig ist hier, und das betont Seba im Vorwort, dass „Mini D20“ eher als Freeform gespielt werden soll und nicht als millimetergenaues Tabletop-Maßband-Rollenspiel. So wird dann auch mit den drei Entfernungszonen „Nah“, „Mittel“ & „Weit“ gearbeitet und nicht mit Fuß- bzw. Meterangaben.
 

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Das waren dann auch schon die Grundregeln, das bekommt selbst ein TikTok-geschädigtes Teenager-Gehirn hin :-P Nun braucht es natürlich Held:innen (im Regelwerk wird gegendert, sehr gut!), was aber ebenso rasch und simpel funktioniert. Erst wählt man einen von vier Archetypen, was die Rüstungsklasse, die Fertigkeitspunkte und den Rettungswurf bestimmt. Dann packt man noch fünf Fertigkeitspunkte oben drauf, wählt zwei Fähigkeiten und gibt seine 20 Goldmünzen an Startgeld für Ausrüstung aus. Zuletzt sucht man sich noch eines der sechs Völker, eine der zehn optionalen Eigenheiten und einen Namen aus, dann kann es schon losgehen... Oder halt, noch nicht, erst einmal muss ich noch auf eine Spieleigenheit hinweisen, die aufmerksame Lesende bereits bemerkt haben: Attribute fehlen komplett, stattdessen arbeitet „Mini D20“ nur mit 12 Fertigkeiten. Die sind allerdings so allgemein gehalten (etwa Wahrnehmung und Wissen), dass man sich spielerisch nicht groß umstellen muss. Ob ich nun wie bei der „Konkurrenz“ 1W20 plus das Attribut Intelligenz würfle oder hier 1W20 plus die Fertigkeit Wissen, wird in der konkreten Spielsituation am Spieltisch jetzt nicht für Konfusion sorgen ;-) Dazu gibt es noch Regeln für den Aufstieg (je mehr Geld, umso höher der Aufstieg, umso besser der Charakter) und den Tod (bei 0 oder weniger TP gibt es jede Runde einen Todesrettungswurf), aber auch das sollte selbst für absolute Hobby-Neulinge keinerlei Verständnisprobleme verursachen.
 

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Es folgen ein paar Seiten mit Ausrüstung, Zaubern, Monstern etc., dann ist schon über die Hälfte des schwarz/weißen Softcover-A5-Regelbüchleins rum und man kann sich ins Abenteuer stürzen. Ich gebe ja zu, an dieser Stelle war ich sehr neugierig, was noch so alles kommt, weil alles „Grundlegende“ ja bereits abgehandelt wurde. Aber Seba dreht nun erst richtig auf, denn „Mini D20“ ist eben mehr als nur ein schlankes Mini-Regelwerk für ein schnelles Dungeon-Geschnetzel, hier werden tatsächlich epische Geschichten erzählt! Das beginnt schon mit einer zweiseitigen Tabelle, was für lustige Dinge zwischen zwei Abenteuern passieren, bevor man auf zwei weiteren Seiten den Kampagnenschauplatz Silberküste präsentiert bekommt, in dem dann Kampagnen und Quests (jeweils eine Seite mit Ideen) stattfinden. Diese gehen dann traditionell in den Dungeon, weshalb ein gutes Abenteuerdesign und eine gute Spielleitung auf noch einmal jeweils zwei Seiten erklärt wird. Zuletzt beweist Seba dann, dass er seine eigenen Ratschläge berücksichtigt hat, denn das 8-seitige Startabenteuer spielt sich flott und spaßig weg.
 

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Aber wir trauen dem Braten natürlich nicht, Seba könnte hier ja einen Glückstreffer gelandet haben, also lesen wir gleich noch ein weiteres OneShot-Abenteuer aus seiner Feder. Denn in seinem Rezensionspaket für mich waren gleiche mehrere Heftchen enthalten, wobei aber „Abstieg“ mit 12 Seiten so dünn ist, dass ich dafür (anders als beim Rest) keinen extra Artikel schreiben werde. Außerdem ist es für neue Charaktere der Stufe 1 gedacht, eignet sich also perfekt als Einstieg in das „Mini D20“-Regelsystem. Also gehen wir auch da direkt rein, und diese Formulierung passt gut, denn die Charaktere gehen wirklich rein :-) Und zwar in einen Berg, denn eine uralte Zwergenwaffe wird von einem ebenfalls uralten Drachen bewacht. Ein ganz und gar klassisches Standardabenteuer (inklusive Tavernen-Start, Zufallsbegegnungen und den OSR-typischen Möglichkeiten, Konflikte kreativ zu lösen), aber eben dadurch auch ein richtig guter Einstieg mit einigen witzigen Ideen (explodierende Leuchtenten!). Mehr gibt es hierzu echt nicht zu sagen, aber wenige Worte sind ja eh das Grundkonzept von „Mini D20“ :-P
 

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Sowohl das Abenteuer als auch das Grundregelwerk sind verständlich genug geschrieben, sodass auch absolute Neulinge damit klar kommen sollten. Mit persönlich ist es optisch etwas zu einfach gehalten, was zwar dem 1-Mann-Projekt-Indie-OSR-80er-Jahre-Charme förderlich ist, was aber mir ganz persönlich bei einem Verlagsprodukt (Der „Uhrwerk Verlag“ fungiert als Herausgeber der gedruckten Exemplare) aber etwas zu simpel ist. Da hätte gern noch etwas mehr „BlingBling“ sein dürfen. Aber andererseits sehen die wenigen Illustrationen wirklich cool aus und außerdem gibt hier ein komplettes Regelwerk für läppische 12,95 €, also will ich mich nicht beschweren. Wobei das, neben einigen wenigen zu handwedlerischen Parts, ja auch eigentlich meine größten Kritikpunkte wären, denn ansonsten hat Seba hier ein wirklich sehr nettes, wirklich sehr gut funktionierendes OSR-Spielchen veröffentlicht. Vom spielerischen Vibe fühle ich mich zwar fast schon ein wenig mehr an „Tiny D6“ erinnert anstatt an D&D etc., aber da ich ja bekanntermaßen ein Fan von den „Tiny D6“-Spielen bin, kann man das als Lob auffassen.
 

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Fazit. „Mini D20“ (Link) ist genau das, was es sein will, nämlich ein sehr leichtgewichtiges und dabei aber vollständiges Rollenspiel-Regelwerk. Hobby-Neulinge werden hier ebenso glücklich wie OSR-Fans, die mehr etwas handwedlerischer spielen möchten. Ich zeige mich jedenfalls ausgesprochen begeistert und spreche eine dicke Empfehlung aus!

PS: Man kann das Material übrigens auf der KritischerFehlschlag.de-Webseite (Link) auch kostenlos runterladen, wenn man nicht die Katze im Sack kaufen will. Sehr coole Aktion!