So ein wenig beschleicht mich das Gefühl, als habe das „The Witcher“-Universum in den letzten Jahren ein wenig an Popularität eingebüßt. Das grandiose letzte Videospiel ist bereits mehr als zehn Jahre alt, der Nachfolger dauert noch mindestens ein Jahr. Und die Netflix-Serie hat spätestens mit dem Wechsel des Hauptdarstellers (und eigentlich schon davor) niemanden mehr hinterm Ofen hervorgelockt. Immerhin wird das Franchise aber durch allerlei Lizenzprodukte am Leben erhalten, beispielsweise eben Comics, von denen „Panini“ (die mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten) nun mit „Der Hexer“ ein phantastisches Hardcover-Büchlein rund um die allererste Kurzgeschichte publizierte. Und die ist, soviel Spoiler muss sein, für 13 € ein absoluter No-Brainer!
1985 errang der polnische Fantasy-Autor Andrzej Sapkowski mit „Der Hexer“ den dritten Platz bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb der Zeitschrift „Fantastyka“. Der Startschuss für eine ungeahnte Popularitätskarriere, die ihren Höhepunkt eben mit den Videospielen und der Netflix-Serie fand. Ich persönlich blieb dem Franchise dagegen immer fern, selbst die ersten zwei Serienstaffeln habe ich nur sehr halbherzig verfolgt, weshalb ich an diese Comic-Adaption nun ziemlich neutral herangegangen bin. Und das war vielleicht auch der richtige Ansatz, denn so hat mich dieses dünne Büchlein von gerade mal 56 Seiten umso mehr begeistert :-)
Geralt von Riva ist ein Hexer, der für eine gute Bezahlung so ziemlich jeden Auftrag annimmt. Die „normalen“ Menschen mögen ihn zwar nicht, aber wenn sie dann doch mal seine Hilfe brauchen, holen sie ihn trotzdem. Und so endet eine kleine, blutige Kneipenauseinandersetzung dann auch direkt mit einem hoheitlichen Auftrag: König Foltest hat eine Tochter gezeugt, die (vielleicht aus inzestuösen Gründen?) nun als Striege in der heimischen Burg auf Menschenjagd geht. Foltest ist das egal, der kann sich einen neuen Adelssitz leisten, jedoch hofft er trotzdem immer noch auf eine Rückverwandlung der Prinzessin. Dies soll gelingen, wenn ein mutiger Recke eine ganze Nacht in eben jener besetzten Burg verbringt. Viele Jahre lang hat das nicht geklappt – auch, weil etwa der korrupte Ratsherr Ostrid den Status Quo beibehalten will – aber jetzt ist ja Geralt da, um den Tag beziehungsweise eher die Nacht zu retten...
Wie oben erwähnt, bin ich ja völlig neutral, aber doch sehr neugierig an diese Comic-Adaption herangegangen. Und ja, ich verstehe nun sehr gut, warum Andrzej Sapkowski aufs Wettbewerb-Treppchen kam und warum sich um den Hexer so ein Fan-Kult entwickelt hat. Denn hier wird auf wirklich wenigen Seiten eine ganze Welt, präsentiert mit einer ebenso wortkargen wie interessanten Anti-Heldenfigur, die sich zwischen Intrigen, blutigen Schwertkämpfen und allerlei Dark-Fantasy-Klischees zurechtfinden muss. Das alles wird wirklich hübsch und atmosphärisch dicht gezeichnet, sodass dieser gerade mal 13 € günstige Hardcover-Comic wirklich ideal für Neulinge und Hexer-Fans geeignet ist.
Fazit: „The Witcher: Der Hexer“ (Link) ist ein wirklich toller Comic und hat damit das Potential, neue Fans zu generieren und alte bei der Stange zu halten.
