Es gibt natürlich keine Cancel Culture (zumindest nicht so, wie sie die rechten Alarmisten immer benennen), aber zumindest in meiner persönlichen Fantasy-Bubble gehört Neil Gaiman zu denjenigen Nerd-Promis, die nicht mehr ganz so gut gelitten sind. Das soll jetzt aber nicht meine Rezension dieses Comic-Sammelbandes beeinflussen (immerhin erwartet „Panini Comics“ von mir jetzt keine Moralpredigt, sondern eine faire Buchbesprechung), aber falls ihr mal fünf Minuten Zeit habt, googelt euch doch mal in das Thema ein.
Okay, so viel zum gesamtgesellschaftlichen Nerd-Kontext, nun zu mir privat. Tatsächlich war ich nie ein großer Fan von Gaiman, mein einziger Kontakt waren eine einzige Folge „American Gods“, der Film „Coraline“ und ungefähr 75% der „Sandman“-Serie. Letztere fand ich immerhin überraschend gut, sodass ich doch sehr erfreut war, als mir „Panini Comics“ ein Rezensionsexemplar des neuen „Death“-Sammelbandes schickte. Und der ist einerseits genauso wild und düster wie die Netflix-Serie und andererseits mindestens genauso gut.
Der Tod, dargestellt als hübsche Goth-Frau (ja genau, so eine, für die Drake bellen würde), erlebt in diesem aus sechs US-Einzelheften bestehenden, 176 Seiten dicken Sammelband gleich zwei aufeinander aufbauende Abenteuer im Reich der Sterblichen. In „The High Cost of Living“ rettet sie einen todessehnsüchtigen Jugendlichen, der wiederum ihr hilft, als ein alter Bekannter Jagd auf sie macht. Und in „The Time of Your Life“ setzt sie sich mit einem lesbischen Musikerpärchen auseinander, das für sich feststellen muss, was ihnen das Wichtigste im Leben ist. Schwere Themen, die von verschiedensten Kunstschaffenden aber jeweils gekonnt und herrlich düster umgesetzt wurden. Man merkt dabei aber, dass die Zeichnungen schon etwas älter sind (jeweils im Frühjahr 1993 bzw. 1996), was ihnen aber nichts an ihrer künstlerischen Wucht und damit an ihrer eindringlichen Atmosphäre nimmt. Dazu sind die Figuren allesamt interessant geschrieben, sodass man selbst auf den wenigen Seiten (wie oben erwähnt, nur drei US-Hefte je Geschichte) ein emotionales Investment aufbaut und dadurch stark mit ihnen mitfiebert.
Fazit: „Death“ (Link) passt hervorragend ins „Sandman“-Universum. Wer das also mag, mag auch dieses Comic-SpinOff.
