In meiner Kindheit war ich - wie so viele Nerds da draußen – ein riesiger Fan von den WildWest-Klamaukfilmen von Bud Spencer und Terence Hill. Die sind, so wissen es die Eingeweihten, ja gerade in der deutschen Synchronisation noch mal ein ganzes Stück kultiger. Schön ist deshalb, dass diese „inoffizielle“ Comic-Adaption eben jenen humorvollen Weg einschlägt. Und ja, vermutlich ist „inoffiziell“ nicht die urheberrechtlich korrekte Bezeichnung, aber das Kreativduo Robin Recht (Szenario) und Jean-Baptiste Hostache (Zeichnungen) hat sich schon sehr von den beiden italienischen Haudrauf-Helden und auch so manchem anderen WildWest-Klischee inspirieren lassen.
Es ist Wahlkampf in den konföderierten Südstaaten, weshalb mit schmutzigen Tricks aller Art gearbeitet wird. Beispielsweise mit Kindesentführungen, damit der Gegenkandidat zurücktritt. Und wer wäre skrupellos genug, um in ein Mädcheninternat einzubrechen? Genau, Junior und Senior, die gerade wegen unzähliger Delikte in einer Zelle versauern. Doch für 5000 $ und das Versprechen auf Freiheit sind sie bereit, diesen schmutzigen Job zu übernehmen und damit relativ leicht an viel Geld zu kommen... Aber so leicht ist dieser Job dann doch nicht, denn einerseits müssen sie es gleich mit sechs frechen Mädchen aufnehmen (weil die nämlich nicht verraten, wer genau von ihnen die Zielperson ist, und weil es viel cooler ist, mit Banditen abzuhängen, als im Internat zu büffeln) und andererseits hängen ihnen bald ein ganzes Südstaaten-Kavallerieregiment sowie vier Gangster-Brüder im Nacken. Hilfreich ist dabei sicherlich nicht, dass Junior auch noch der größte Frauenheld ist, der mit jeder halbwegs volljährigen Dame anbandelt, selbst wenn diese schon verheiratet ist ;-)
„Junior & Senior“ ist genau so lustig und skurril wie eine typische WildWest-Comedy von Terence Hill & Bud Spencer, gemischt mit allerlei Anleihen aus franko-belgischen Comic-Klassikern. Da haben etwa die Daltons ihren Auftritt (auch wenn sie hier anders heißen), die beiden Wahlkampf-Konkurrenten tragen die ikonischen Namen eines Waffenherstellers und letztlich könnten gerade die Kampfszenen direkt aus einem „Asterix“-Comic stammen. Dies alles trägt die dünne und vorhersehbare, aber eben auch durchaus spaßige, nett gezeichnete und flott gelesene Geschichte gut über 104 Seiten hinweg – Ob dieses Konzept aber über mehrere Bände funktioniert (zumindest suggeriert das die #1 des „Splitter Verlags“, der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte), wage ich dann doch zu bezweifeln.
Fazit: Der Spaß an „Junior & Senior“ (Link) steht und fällt mit der Kenntnis der Vorlagen & Anspielungen. Ist man mit Bud Spencer, Terence Hill, Lucky Luke etc. aufgewachsen, dann wird man hier sehr gut unterhalten. Hat man von der Materie aber keine oder wenig Ahnung, ist das einfach nur ein ganz solider, irgendwie netter Feel-Good-WildWest-Comic, den man rasch wieder vergisst.
