Nun bin ich ja zugegebenermaßen ein Spätberufener, denn erst vor wenigen Wochen habe ich endlich mal das „Cyberpunk 2077“-Videospiel angezockt und dann durchgesuchtet. Die dystopische Zukunft fand ich aber schon immer spannend, wie unzählige Podcast-Folgen (Link) zum Genre und nicht zuletzt auch allerlei Comic-Rezensionen (z.B. zu den beiden Vorgängerbänden „Trauma Team“ und „Ehrenwort“) beweisen. Nun hab ich hier also dem dritten Band, der noch einmal eine ganz eigene Tonalität in die brutale Welt von Night City bringt... 

 
Braindances sind so etwas wie 3D-Videos, welche direkt ins Nervensystem eingespeist werden. Der große Vorteil ist, dass man damit nicht nur sieht und hört, sondern auch fühlt! Und das ist ziemlich geil, aber auch ziemlich suchterzeugend. Und so fühlt sich Arturo, der ja eigentlich nur ein Programmierer und Techniker für einen großen Braindance-Konzern ist, auch weniger wie ein x-beliebiger Angestellter als vielmehr wie ein Drogendealer, welcher die Süchtigen mit immer neuen Stoff versorgt. Dabei könnte die Technik so viel mehr bewirken! Man könnte psychische Krankheiten heilen, beispielsweise Depressionen oder Süchte, aber das würde letztlich den Konzern-Gewinn schmälern... Arturo will gute Taten vollbringen und seine Arbeit sühnen, aber es ist fast schon ironisch, dass seine subversiven Versuche immer wieder zu Fehlschlägen führen. Im besten Fall muss seine Firma „nur“ eine halbe Million an Schadensersatz zahlen, im schlimmsten Fall kommt es zu einem Massenselbstmord... So kann es nicht weitergehen, also bricht er aus dem Konzernsystem aus, um mit einer Truppe aus abgehalfterten Cyberpunks (u.a. eine längst aus dem Geschäft zurückgezogene Runnerin, die fast zwanghaft ihre Crew hintergeht, und einem trunksüchtigen Polizisten) in die Bank seines Ex-Arbeitsgebers einzubrechen. Denn diese ist zwar schwer gesichert, hat jedoch eine Schwachstelle: Treten Blackouts auf, werden die Sicherheitscodes wieder zurückgesetzt, sodass ein findiger und vor allem schneller Hacker dort für wenige Minuten Schabernack treiben kann, bevor alles abgeriegelt wird. Und wenn man eh nix mehr zu verlieren hat, dann kann man es ja mal versuchen... 

 
„Blackout“ ist prinzipiell ein typischer „Cyberpunk 2077“-Comic, welcher erneut auf 108 Seiten beziehungsweise in 4 Kapiteln/US-Einzelheften eine dystopische Action-Story erzählt: Das Leben in Night City ist die Hölle, die Mächtigen unterdrücken die Armen, überall herrscht Mord & Totschlag. Und die cybertechnisch aufgeplusterten, aber im Prinzip ganz normalen Menschen wie Du & Ich sind darin gefangen; sie versuchen einfach nur zu überleben, indem sie den Konzernen (wie im Videospiel) oder irgendwelchen Gangs (wie in „Ehrenwort“) ans Bein pissen oder indem sie als unauffälliges Rädchen im Getriebe (wie in „Trauma Team“) ihren Job als Konzernsklave nachgehen. Aber im Gegensatz zu den beiden Vorgängercomics ist dieser Band prinzipiell hoffnungsvoller und mehr charaktergetrieben, denn der Protagonist will im Prinzip die Welt verbessern, selbst wenn das für ihn gewisse Nachteile mitbringt. Und nicht nur das, er hat neben fast schon satirisch anmutenden Fehlschlägen auch immer wieder kleinere Erfolgserlebnisse. Und so gab es in der Comic-Reihe bisher noch keinen anderen Band, bei dem die Hauptfigur den Lesenden so sehr ans Herz gewachsen ist. Und das ist das große Pfund des Bandes, denn selbst wenn hier erneut altbekannte Story-Versatzstücke recycelt wurden und selbst wenn die Zeichnungen im Vergleich zu den Vorgängerbänden etwas abstinken, verschlingt man doch jede einzelne Seite, weil man so sehr in Arturos Schicksal investiert ist. 

 

Fazit: Um es kurz zu machen, „Cyberpunk 2077 #3 Blackout“ (Link) ist der beste Band der Reihe und wir können „Panini Comics“ (die mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten) nur dankbar sein, dass sie diese Comic-Reihe publizieren!

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