Das Berlin des Jahres 2099 wurde in Fred Duvals gleichnamigen Cyberpunk-Comic (Link) ja als dystopische Utopie dargestellt – Klar, die Zukunft ist schlecht und die KI macht nur Quatsch, aber von allen möglichen düsteren Zukunftsaussichten war „Metropolia“ doch noch irgendwie die hoffnungsvollste. Und sind wir ehrlich, gelaufene Kilometer als universelle Währung zu verwenden würde auch heutzutage bereits viele Probleme lösen ;-)
 

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Also so schlecht ist das 2099er Berlin gar nicht, weshalb da viel mehr Leute reinwollen, als eigentlich reinpassen. Und das führt natürlich einerseits zu den gegenwärtigen Zuständen (auch in der noch multikulturelleren Zukunft gibt es noch Migrationsfeinde) und andererseits zu dem dringlichen Bedürfnis, die Stadt zu erweitern. Nur während man dafür heutzutage eventuell einfach das Tempelhofer Feld zubaut, auch wenn der Volksentscheid etwas anderes sagt, kann man sich 2099 quasi nach Herzenslust ausdehnen. Denn die Außenbezirke sind ein gesetzloses Niemandsland, bei dem allerhöchstens noch ein paar Hippies für die letzten drei Eidechsen und gegen die Riesenbagger demonstrieren, während kriminelle Banden das Bau-Personal überfallen. Aber Bombenanschläge? Wer würde denn davon profitieren?
 

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Genau das soll der bereits aus dem Auftaktband bekannte Privatermittler Sascha Jäger ermitteln, der diesmal verdeckt tagsüber als Baustellen-Schweißer und nachts als Ex-Außenbezirksbewohner ermittelt. Und tatsächlich, es gibt einen Zeugen, auch wenn der dank einer durch massive Drogensucht ausgelösten Schizophrenie aller paar Sekunden seine Persönlichkeit wechselt. Und nicht nur Sascha ist auf der Jagd nach ihm, sondern auch alte Bekannte, zwielichtige Geheimorganisationen und nicht zuletzt die wahren Täter (wer genau, würde jetzt den ganzen Plot spoilern, wobei das der „Splitter Verlag“ – der mir dankenswerterweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte – das eh schon auf der Rückseite macht). Und so geht es zwischen verlassenem Dystopie-Ödland, utopischen Berlin-Chic und gigantischen Baustellen hin und her... Sicherlich ist der 2. „Metropolia“-Band keine ganz große Erzählkunst, dafür sind 56 Seiten dann doch zu wenig, aber ich war trotzdessen bis zum Schluss gefesselt und auch mitunter auf der falschen Spur. Hut ab also vor Fred Duval, der hier das Maximum rausgeholt hat, ebenso wie an den deutschen Star-Zeichner Ingo Römling, der das Szenario erneut in seinem ganz eigenen Stil und damit absolut sehenswert in Szene setzt.
 

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Fazit: Wir wissen ja alle, dass Fred Duval sehr gut darin ist, dystopische Cyberpunk-Geschichten zu erzählen. Dass er für seine Berliner Geschichten aber auch noch Ingo Römling ins Boot geholt hat, macht „Metropolia #2 Die Außenbezirke“ (Link) zu einem Pflichtkauf für Genre-Fans!

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