„Splitternackt“ und kein Ende – Gelegentlich beschleicht mich das Gefühl, dass das Erotik-Imprint mittlerweile das Haupt-Standbein der sympathischen Bielefelder geworden ist, während die „normalen“ franko-belgischen Comics vor allem dafür da sind, um noch wohlwollende Kritiken zu erhaschen. Und nein, auf so einen klugen Gedanken bin ich natürlich nicht selbst gekommen, das hat mir der örtliche Comic-Händler meines Vertrauens ins Ohr geflüstert ;-) Ob das wahr ist?
Das weiß ich natürlich nicht und das geht mich auch nichts an, denn die Verantwortlichen des „Splitter Verlags“ (die mir dankenswerterweise immer wieder Rezensionsexemplare schicken) und ich sind in keiner so engen und zugleich offenherzigen Beziehung wie die beiden Hauptfiguren Grant und Betty. Die haben letztes Jahr an einem einsamen Strand das erste Mal einen Partnertausch erlebt, was Grant irgendwie über seine Unsicherheiten hinwegbringen sollte. Spoiler: Nein, hat nicht geklappt, aber vielleicht ja jetzt? Denn das damalige Swinger-Pärchen hat die beiden nun nach „Pleasure Island“ eingeladen, einem Luxushotel, welches Schauplatz einer einzigen Dauer-Orgie ist. Früh, mittags, abends, überall wird mal mit, mal ohne Themenschwerpunkt gebumst. Das ist für die offenere Betty das wahre Paradies, während Grant im Angesicht von noch viel mehr Konkurrenz-Penissen den Mut verliert und zugleich zweifelt, wie weit er denn gehen darf. Denn natürlich hat das junge Pärchen der erzählerischen Dramatik wegen das gesamte vergangene Jahr nicht genutzt, um sich zu überlegen, wie sie es mit der Treue im Swinger-Hotel halten...
Das ist dann auch der komplette sehr dünne und aus teils lachhaft plumpen Dialogen gestrickte Handlungsfaden, der haufenweise Sexszenen miteinander verbindet. Zugegebenermaßen sind diese gegenüber dem Auftaktband (Link) deutlich abwechslungsreicher geraten, da einerseits viel mehr Mitswingende vor Ort sind und da andererseits auch allerlei Motto-Partys & -Räume für neue Facetten während der spätrömischen Erotik-Dekadenz sorgen. Das macht diesen mit nun 144 Seiten deutlich umfangreicheren Band im Vergleich zum Vorgänger merklich besser, was aber auch keine große Kunst ist – der Auftaktband war noch reine Pornografie an einem einzigen Schauplatz mit einer festen Vierer-Figurenkonstellation. Dank einer weiterhin erfreulich unproblematischen Grundstimmung (alte, weiße Männer würden „woke“ schreien) und gefälligen Zeichnungen machen Fans von gezeichneter Erotik an der Grenze zur puren Pornografie jedenfalls nichts falsch mit „Swinging Island #2 Pleasure Island“ (Link), denn dieser zweite Band mausert sich tatsächlich zu einem der besseren Vertreter des „Splitternackt“-Imprints!
